Longa Vienna

Der aus Palästina stammende Musiker Marwan Abado lebt seit bald vierzig Jahren in Wien. Das Album Longa Vienna kommt kurz vor seinem feierlichen Rückblick auf diese Jahre heraus.

Longa ist die Bezeichnung einer orientalisch-musikalischen Form, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts von Rumänien aus durch das Volk der Roma in das Osmanische Reich gebracht wurde. Es war eine Tanzmusikform, die in schnellem Tempo den Abschluß eines Konzertes ankündigte. Arabische Musiker und Komponisten, die damals Teil des osmanischen Reiches waren, übernahmen diese Form und pflegten sie als ein Element der arabisch-instrumentalen Musiktradition weiter.

Longa Vienna ist eine musikalische Reise durch Wien – der kulturelle Schmelztiegel der Metropole wird hörbar (Klangproben hier), das pulsierende Leben der Großstadt, bunte, poetische und dicht gewobene musikalische Geschichten erklingen. Wiener Klang der Gegenwart, interpretiert von Marwan Abado, Oud und Gesang, Maciej Golebiowski, Klarinetten, Arnulf Lindner, Bassgitarre, Peter Rosmanith, Perkussion sowie als Gast die syrische Sängerin Dima Orsho.

Erschienen beim Wiener Label Gramola – zu beziehen auch über AphorismA (Mail)

Immer wieder herausfordernd

Im Rahmen einer Veranstaltung der Katholischen Akademie Berlin wird die neue, durchaus kontrovers aufgenommene Biographie der Philosophin und „Denkerin“ Hanna Arendt durch den Autor Thomas Meyer vorgestellt.

Live im Youtube-Kanal der Akademie zu verfolgen am 11. März 2024 – 19,00 Uhr

Mixed Heritage

Die Situation von Menschen, deren Eltern aus verschiedenen Kulturen/Religionen/Nationen kommen, hat die aktuelle Lage noch schwerer werden lassen, wie Tara Abhasakun in einem Beitrag für RNS beleuchtet (und zeigt einmal mehr, wie wenig weit und weitsichtig solche Narrative für Menschen sind…)

This inequality, it has to end!

Ein kleiner Ausschnitt aus der Dankesrede des israelischen Regisseurs Yuval Abraham:

Und die Wahrnehmung, die einer solche Rede in manchen israelischen Medien hervorruft, hier ein Beitrag aus der Haaretz (Sheren Falah Saab) über die Berlinale-Berichterstattung des Kan Public Broadcaster.

Die Wellen der deutschen Politik kochen hoch, wie schön wäre es, wenn bei der nächste Berlinale Menschen mit zwei Schals auf die Bühne träten, … noch ein weiter Weg.

Und ein Bericht im Spiegel zu diesen Ereignissen.

Und Yuval Abrahm auf X.

„A right-wing Israeli mob came to my family’s home yesterday to search for me, threatening close family members who fled to another town in the middle of the night. I am still getting death threats and had to cancel my flight home. This happened after Israeli media and German politicians absurdly labeled my Berlinale award speech – where I called for equality between Israelis and Palestinians, a ceasefire and an end to apartheid – as ‘antisemitic’. The appalling misuse of this word by Germans, not only to silence Palestinian critics of Israel, but also to silence Israelis like me who support a ceasefire that will end the killing in Gaza and allow the release of the Israeli hostages – empties the word antisemitism of meaning and thus endangers Jews all over the world. As my grandmother was born in a concentration camp in Libya and most of my grandfather’s family was murdered by Germans in the holocaust, I find it particularly outraging that German politicians in 2024 have the audacity to weaponize this term against me in a way that endangered my family. But above all else, this behavior puts Palestinian co-director Basel Adra’s life in danger, who lives under a military occupation surrounded by violent settlements in Masafer Yatta. He is in far greater danger than I am. I’m happy our award winning film, No Other Land, is sparking an important international debate on this issue – and I hope that millions of people watch it when it comes out this year. Sparking a conversation is why we made it. You can have harsh criticism of what me and Basel said on stage without demonizing us. If this is what you’re doing with your guilt for the holocaust – I don’t want your guilt.“

Film Collectivism and Revolution

Vortrag mit Viola ShafikDonnerstag 29. Februar – 19.00 Uhr  
@ B.L.O. Ateliers – Kaskelstraße 55, 10317 Berlin / S-Bhf Nöldnerplatz
Eintritt Frei / englische Sprache

Die deutsch-ägyptische Filmemacherin, Kuratorin und Filmwissenschaftlerin Viola Shafik stellt ihr neues Buch „Resistance, Dissidence, Revolution. Ästhetik des Dokumentarfilms im Nahen Osten und Nordafrika“ vor. Inspiriert von Deleuze und Guattaris Bild des „Rhizoms“ verfolgt die Autorin einen deterritorialisierten Ansatz revolutionären Filmschaffens, der die Vielfalt und Fluidität revolutionärer Werke in der Region berücksichtigt, einschließlich des revolutionären Potenzials und der Reichweite historischer und zeitgenössischer Filmkollektive in Palästina, Algerien, Ägypten, Syrien und Marokko.

Vor dem Hintergrund seines eigenen Engagements im ägyptischen Filmkollektiv Mosireen wird sich der ägyptische Künstler und Filmemacher Ziyad Hawwas mit der Autorin über ihre Perspektive des kollektiven revolutionären Filmemachens austauschen. Es werden kurze Filmausschnitte gezeigt.

Mustafa al-Kurd

(10. Dezember 1945 – 18. Februar 2023)

Cover LP al-Kurd 1977

In Jerusalem ist der politische Sänger, Komponist und Dichter Mustafa al-Kurd im Kreise seiner Familie gestorben. Seine Lieder, seine Texte werden noch gesungen und erinnert werden, wenn sie endlich Wirklichkeit geworden sind, all der furchtbaren Wirklichkeit unserer Tage zum Trotz.

Oh, Jerusalem,
Du Stadt der Hoffnung
des Lächelns
der Liebe
Sternenhimmel und Freudentänze

Nach Jahren des Exils, der Arbeit mit der PLO etwa in libanesischne Flüchtlingslagern (davon zeugt etwa die oben gezeigte LP, konnte er 1985 in seine Heimat zurückkehren…

CD Fawanis (1993)

Nachruf in Junge Welt (22. Februar 2024)

Green Olive Benefit Concert

„In times of war
we all feel helpless.
Perhaps through music we can spread some hope in our humanity.“

Wissam Gibran

Join for an extraordinary hour of music and solidarity featuring world class musicians calling for an immediate ceasefire, a return of the hostages, and a democratic future beyond occupation in Palestine/Israel. The concert will feature a diverse cohort of musicians representing a variety of nationalities and genres including jazz, harp, folk, and rock.

All proceeds will go to sustain our solidarity work in 2024 and advance tangible initiatives in defense of human rights in the West Bank, where communities struggle every day to defend their rights in the face of attempted land expropriation, settler attacks, and military rule.

A link to the concert will be sent to all those who register 48 hours in advance of the event. The concert will be recorded and available at the same link for those who cannot attend.

Registration

ORF – Im Gespräch

Wie kann es im Nahen Osten weitergehen?

Wie bleibt frau HumanistIn?“ – Renata Schmidtkunz im Gespräch mit der Autorin Maya Arad Yasur, dem Wissenschaftler Gal Hertz und dem Politiker Jules El-Khatib

Die israelische Autorin Maya Arad Yasur, geboren 1976 in Israel, hat kurz nach dem Massaker der Hamas einen Theatertext verfaßt. Der Titel: „Wie man (frau) nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten.“

Der Text der studierten Dramaturgin dreht sich um das Ringen um eine humanistische Haltung gegenüber den zivilen Opfern. Wie schafft man:frau es nach allem, was geschah und geschieht, nicht der blinden Rachsucht zu verfallen.

Die in München lebende israelische Regisseurin Sapir Heller hat zu dem Text ein Konzept für eine Bühnenperformance entwickelt, die an mehreren deutschen Theatern in unterschiedlicher Besetzung zu sehen war.

Das Theater Nestroyhof Hamakom im 2. Wiener Gemeindebezirk zeigt diese Performance, die nach Menschlichkeit, Empathie und Zukunft fragt von 31. Jänner bis 2. Februar 2024. Es spielt die in Wien lebende deutsch-israelische Schauspielerin Lena Kalisch. In einer Kooperation mit dem Theater Hamakom, kuratiert von Martina Schmidt, spricht Renata Schmidtkunz mit der Autorin Maya Arad Yasur, dem israelischen Germanisten Gal Hertz und dem palästinensisch-deutschen Hochschul-Dozenten für Soziale Arbeit, Jules El-Khatib darüber, wie es nach derartig viel Gewalt im Nahen Osten weitergehen kann.

Als das Monster freundlich war

Berlin Review“ orientiert sich an der „London Review of Books“ und der „New York Review of Books“. Die erste, ausschließlich online publizierte Ausgabe ist jetzt im Februar erschienen. Darin findet sich ein Beitrag von Adania Shibli, in dem es auch um die Verschiebung der LiBeraturpreis-Verleihung geht.

Alfred Grosser (1925-2024)

Wie das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels schreibt:

„Der deutsch-französische Politologe und Publizist Alfred Grosser ist tot. Das gab seine Familie bekannt. Grosser starb demnach im Alter von 99 Jahren in Paris. In Frankfurt am Main geboren, floh er als Kind mit seiner Familie 1933 nach Frankreich. In Paris studierte Grosser Politikwissenschaft und Germanistik, lehrte ab 1955 am Institut d’études politiques de Paris. Er war bekannt als Autor journalistischer Texte und zahlreicher Bücher, darunter erschienen „Le Mensch“ (Dietz J-H.W. Nachfahren), „Von Auschwitz nach Jerusalem“ (Rowohlt), „Wie anders ist Deutschland?“ und „Wie anders ist Frankreich?“ (beide C.H.Beck, wo auch seine Autobiografie „Die Freude und der Tod“ publiziert wurde.)

Für seine Rolle als Vermittler wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband sowie dem französischen Großkreuz der Ehrenlegion sowie dem Henri-Nannen-Preis.“

Auch zu Fragen des Nahostkonflikts und der israelisch-palästinensischen Beziehungen hat er sich wiederholt kritisch geäußert.

Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, Lizenz: CC-BY-SA 4.0 DE