Außenansicht. Eine letzte Chance

Die israelische und die palästinensische Zivilgesellschaft müssen Verantwortung übernehmen

Von Reiner Bernstein (SZ, 27. April 2017)

Nach langem Zögern scheint die Bundesregierung den israelisch-palästinensischen Konflikt wieder zu einem europäischen Thema machen zu wollen. Dass Sigmar Gabriel bei seinem Besuch in Israel darauf beharrte, Friedensaktivisten aus der bürgerlichen Mitte zu treffen, unterstreicht, dass Berlin nicht mehr auf die politische Kraft des Dialogs mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu setzt. Indem Staatspräsident Reuven Rivlin, strikter Gegner eines souveränen Staates Palästina, den deutschen Außenminister empfangen hat, belegt zumindest jenen Realitätssinn, die der Achtung der rechtsstaatlichen Prinzipien für alle Einwohner zwischen Mittelmeer und Jordan
gelten soll.

Mit dem Auftreten Gabriels dürfte der klassische Nahostkonflikt auf die Tagesordnung der internationalen Diplomatie zurückgekehrt sein, nachdem – während sich die Weltöffentlichkeit mit Mord und Terror in Syrien und im Irak befasste – die israelische Regierung in der Westbank sowie im einstigen arabischen Osten Jerusalems vollendete
Tatsachen schaffen wollte. Dieser politisch und demografisch zweischneidige Erfolg war darauf zurückzuführen, dass der internationalen Forderung nach der Zweistaatenlösung ein plausibles Programm zu ihrer Durchsetzung fehlte.

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Eva Illouz über den Zustand der israelischen Gesellschaft

In wenigen Wochen jährt sich die israelische Okkupation der palästinensischen Gebiete zum 50. Mal. Kritische israelische Intellektuelle haben sich seit 1967 immer wieder mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Herrschaft über ein anderes Volk auch Israel verändert. Die in Fès geborene und in Frankreich aufgewachsene Soziologin Eva Illouz, seit 2006 Professorin für Soziologie und Anthropologie an der Hebräischen Universität Jerusalem, hat der deutschen Journalistin Inge Günther in einem Interview für die Badische Zeitung ihre Sicht auf die heutige israelische Gesellschaft dargelegt. Sie bezeichnet darin die Besatzung als „die Bürokratisierung des Bösen“.

www.badische-zeitung.de/kultur-sonstige/die-buerokratisierung-des-boesen–134354934.html

Can Jews and Arabs Be True Political Partners in Israel?

Yaniv Sagee, ‚Opinion‘, Ha’aretz, Feb 27, 2017

The only way to create an alternative to push back against 50 years of occupation and mounting inequalities is for the Zionist and Palestinian-Arab left to form a real partnership.

In four months, we will mark 50 years of Israel’s occupation of ‚the territories.‘ Fifty years, during which the State of Israel has changed from top to bottom.

From being a welfare state fulfilling the founding vision – both of a national homeland for the Jewish people and of an egalitarian state for the benefit of all its citizens – Israel has transformed into one of the worst of Western states in terms of social gaps. A state that discriminates against its Arab citizens and is incapable of connecting with world Jewry.

From a “pursuer of peace,” we have become a state that “manages the conflict” through wars and operations where we kill and are killed, because we have become convinced that “there is no partner” for peace. Our actions are directed by the vision of the Prime Minister who told us last year, “We shall forever live by the sword.”

read the whole article as a PDF  here

Yaniv Sagee is the Executive Director of Givat Haviva. A member of Kibbutz Ein Hashofet, he was previously a teacher, school principal, director of the Hashomer Hatzair youth movement and chairman of the National Council for Youth Movements in Israel.

Renewed Tensions at Jerusalem’s Holy Esplanade

Please find below a link to my recent oped in the Times of Israel which describes the mounting tensions at Jerusalem’s Holy Esplanade (Temple Mount / Haram al-Sharif).

Renewed Tensions at Jerusalem’s Holy Esplanade

The tensions are particularly worrying as we are a month before Passover, two months before Ramadan and three months before commemorating 50 years to the 1967 War. And because they take place with the Obama-Trump transition and its uncertainties (West Bank annexation? Two states?) as backdrop.

Israel, Jordan, the Palestinian leadership and the US can and should act to quell the tensions. This will allow them to focus on the bigger political issues at hand.

Ofer Zalzberg, Times of Israel, 14 March

 

[Von Ofer Zalzberg ist eine Studie der International Crisis Group zur Zukunft von Jerusalems ‚Heiliger Esplanade‘ (‚Holy Basin‘) als Heft 1/2016 von israel&palästina erschienen.]

Bernie Sanders und die friedenspolitische Alternative in den USA und Israel

Nach dem Wahlsieg Trumps jubelte die israelische Rechte in der Hoffnung auf Unterstützung durch den neuen Präsidenten. Doch die J Street – Konferenz in der vergangenen Woche hat gezeigt, dass sich auch die Gegenkräfte in beiden Ländern formieren und eine friedenspolitische Alternative präsentieren. Als prominenter Sprecher erläuterte Bernie Sanders, warum es notwendig ist, dass die USA sich aus der Verbundenheit mit Israel heraus um ein Ende der Besatzung und eine Friedensregelung bemühen. Am Rande der Konferenz traf Sanders zudem den Vorsitzenden der Gemeinsamen Liste und Knesset-Mitglied Ayman Odeh, der über die Situation der palästinensischen Minderheit in Israel und die Möglichkeiten einer gleichberechtigten, demokratischen und friedlichen Zukunft Israels sprach. Die Rede von Sanders finden Sie hier.

American Palestinian Women’s Association: Standing with Our Jewish Sisters

Standing with Our Jewish Sisters Against Anti-Semitism, Bigotry and Hate

Like other Americans of conscience, we are alarmed by the recent rise of unfiltered offensive rhetoric against fellow Americans that is threatening our core American values and the safety of our children.

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In the wake of the recent xenophobic wave that has been articulated and observed during and after the US presidential election, many of our Jewish sisters are legitimately anxious and worried about the recent rise in anti-Semitism. While Americans of Palestinian and Arab decent are Semites too, our community is concerned about the Jewish directed anti-Semitic rhetoric.

Our shared Semitic roots and values compel us to stand shoulder-to-shoulder with our Jewish sisters to protect the dignity of our children and defend their right to live free of fear, anxiety, and stress. To that end, APWA denounces and rejects all forms and expressions of anti-Semitism, Islamophobia, Afrophobia, xenophobia, homophobia, misogyny, racism, and bigotry.

If you agree with the spirit of this statement, please download the attached APWA flier. Please feel free to share and post the flier on your community bulletins.

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Thank you,

Mai Abdul Rahman
President
American Palestinian Women’s Association

This statement is taken from:
https://americanpalestinianwomen.wordpress.com/2016/12/12/standing-with-our-jewish-sisters-against-anti-semitism-bigotry-and-hate/

Trumps radical message to Israel

Die Gespräche des israelischen Ministerpräsidenten in Washington und sein Treffen mit dem neugewählten US-Präsidenten verfestigen die Befürchtung, daß seitens der USA im überschaubaren Zeitraum keine produktiven Impulse für die Regelung des Nahostkonflikts zu erwarten sind. Die gemeinsame Pressekonferenz von Donald Trump und Benjamin Netanjahu in Washington am 16. Februar 2017 bestätigte – zu Recht – die Annahme, daß der neue US-Präsident im Unterschied zu seinen Vorgängern von der Idee bzw. vom Projekt einer Zwei-Staaten-Regelung abrückt und die Ambitionen der radikalen israelische Rechten bestärkt.
Haggai Matar weist in seinem Beitrag darauf hin, daß Trumps Erklärung jedoch auch eine andere Botschaft beinhalten könne: Trump zufolge sei eine vereinbarte Regelung zwischen Israel und Palästina erforderlich. Das bedeute, die israelische Regierung könne die Grenzen nicht so festlegen, wie sie es möchte, bzw. sie dürfe nicht einseitig Teile des Westjordangebiets annektieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

 

https://972mag.com/trumps-radical-message-to-israel/125250/

Die Wannsee-Konferenz jährt sich am 20. Januar 2017 zum 75. Mal

Das Protokoll der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 ist ein erschütterndes Dokument des nationalsozialistischen Rassenwahns. Wann genau die Ermordung der europäischen Juden durch die Vertreter des Nazi-Apparatus beschlossen wurde, ist jedoch auch 75 Jahre danach unter Historiker(inne)n noch umstritten.

Peter Klein, Professor für Holocaust Studies am Touro College in Berlin, hat in der letzten Ausgabe der ZEIT (3/2017) die Vorgeschichte der Konferenz und den dabei deutlich werdenden Machtkampf innerhalb der NS-Hierarchie nachverfolgt sowie die unterschiedlichen Annahmen der Expert(inn)en gegenüber der Bedeutung und Aussagekraft des Schriftstücks verglichen.

Er kommt zu dem Ergebnis, daß

(d)as Wannsee-Protokoll (…) das einzige erhaltene amtliche Dokument (ist), das dieses Menschheitsverbrechen als arbeitsteilige Tat deutlich formuliert. Eine Antwort auf die Frage, wann genau der Genozid beschlossen wurde, bietet der Text jedoch auch bei genauester Lektüre nicht.

Women Wage Peace – der Friedensmarsch einer Bewegung

Ein kleines Wunder ist geschehen, das seitens der Medien völlig ignoriert wurde: Tausende Frauen, Hebrews, Muslima und Christinnen haben sich in Israel vom 4. bis 19. Oktober 2016 auf einen Friedensmarsch (‚March of Hope‘) begeben.

http://womenmarchsantacruz.com/blog/march-for-peace-just-a-month-ago-is-a-beautiful-example-of-unity-and-inclusion

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228054ef-1d55-411d-bd12-3f612ee2db0e© Women Wage Peace

In diesem neuen offiziellen Video der Bewegung Women Wage Peace, singt die israelische Sängerin Yael Deckelbaum das Lied „Prayer of Mothers“ zusammen mit Frauen und Müttern unterschiedlicher Religionen, um zu zeigen, dass Musik etwas verändert. Ein vollkommenes, weibliches Wunder, das mehr sagt als 1000 Worte.

Naomi Chazan: When religion and nationalism spawn sexism

Eine der bekanntesten israelischen Publizistin und Politikwissenschaftlerin Naomi Chazan, frühere Sprecherin der Knesset und heute Direktorin des Academic College in Tel Aviv-Jaffa, hat die in letzter Zeit sich häufenden Zwischenfälle von sexuellen Übergriffen hochrangiger Politiker und Militärs zum Anlass genommen, eine der Ursachen für diese Übergriffe zu analysieren. Sie stellt eine Verbindung her zwischen der Ablehnung von Geschlechtergleichheit und extremen religiös begründetem Nationalismus.

Ihrer Ansicht nach haben die rechten Parteien (Habayit Hayehudi, Teile des Likud und Israel Beyteinu und die ultra-orthodoxen Parteien) nicht nur die Macht im Regierungslager übernommen, sie beeinflussen auch das gesellschaftliche Klima. Sie identifiziert besonders die Armee als ein Ort, an dem die Forderung nach der Gleichstellung von Frauen die männliche Vorherrschaft in Frage stellt. Die Nationalisten reagieren darauf, indem sie Frauen ihren Platz in der Gesellschaft (wieder) zuweisen, egal mit welchen Mitteln.

Hier der Artikel in voller Länge: http://blogs.timesofisrael.com/religion-nationalism-and-sexism/