Schon am 25. September 2023 ist bekannte palästinensische Künstler Ibrahim Hazimeh gestorben: ein warmherziger Menschenfreund und Brückenbauer zwischen Deutschland und Palästina sowie zwischen europäisch/deutscher und arabisch/palästinensischer Kultur.
1933 in Acco (Palästina) geboren, wurden er und seine Familie 1948 nach Latakia (Syrien) vertrieben. 1960 ging er dann zum Studium an der Hochschule für Graphik und Buchkunst nach Leipzig, zwischen 1963 und 1967 absolvierter er ein Graduiertenstudium Bernhard Heisig in Leipzig. 1974 schließlich zog Hazimeh ins damalige Berlin (W).
Eine seiner Schöpfungen auf einer palästinensischen Briefmarke (2000)
Chanukka, zweiter Abend, … Hochfest Mariä Empfängnis – und zugleich wird in Gaza gekämpft, werden weiter Raketen geschossen …
Wer wünscht sich derzeit nicht Geschichten, die Hoffnung im Nahostkonflikt machen, auch für unser Zusammenleben hier in Deutschland? Genau die bringt heute das Kulturmagazin Aspekte (ZDF) für die Norbert Kron gerade in Israel und im Westjordanland war… Er schriebt dazu „Für mich, dem das Land und die Menschen dort nach vielen Besuchen persönlich so am Herzen liegt, war diese Drehreise eines der bedeutendsten Erlebnisse meiner journalistischen Arbeit überhaupt. Nach 4 Jahren konnte ich nicht nur meine Freunde in dieser angespannten Zeit wiedersehen, sondern unglaublich engagierte Menschen treffen, die sich gegen die Konfrontation zwischen Israelis und Palästinensern stemmen und Versöhnungsgesten gerade jetzt weiter vorantreiben. Wie die ‚Combatants for Peace‘, ehemalige Soldaten und militante Aufständische, die die Waffen weggeworfen haben und die ich bei ihrem Treffen in Beit Jalla begleiten durfte. Dies und noch viele andere starke Brückenbauer, auch hier in Deutschland, heute im TV & ab 21 Uhr online.“
Was eigentlich „im Hintergrund“ geschieht, bleibt oft naürlich unbeleuchtet, hier einmal etwas an Information über die Chancen und Grenzen der Arbeit des Internationalen Roten Kreuzes: Fabrizio Carboni, IKRK-Regionaldirektor für den Nahen Osten im Gespräch:
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Ein aktuelles Interview mit Robert Mardini, ICRC’s director general, mit den (saudischen) Arab News.
Advent, Channuka bald … zwischen Traumata und weiterer Gewalt – und kein Ende in Sicht … so sieht es an diesem Tag der Generalsekretär der Vereinten Nationen:
His Excellency Mr. José Javier de la Gasca Lopez Domínguez President of the Security Council New York
Dear Mr. President,
I am writing under Article 99 of the United Nations Charter to bring to the attention of the Security Council a matter which, in my opinion, may aggravate existing threats to the maintenance of international peace and security.
More than eight weeks of hostilities in Gaza and Israel have created appalling human suffering, physical destruction and collective trauma across Israel and the Occupied Palestinian Territory.
More than 1,200 people were brutally killed, including 33 children, and thousands were injured in the abhorrent acts of terror by Hamas and other Palestinian armed groups on 7 October 2023, which I have repeatedly condemned. Some 250 people were abducted, including 34 children, more than 130 of whom are still captive. They must be immediately and unconditionally released. Accounts of sexual violence during the attacks are appalling.
Civilians throughout Gaza face grave danger. Since the start of Israel’s military operation, more than 15,000 people have reportedly been killed, over 40 per cent of whom were children. Thousands of others have been injured. More than half of all homes have been destroyed. Some 80 per cent of the population of 2.2 million has been forcibly displaced, into increasingly smaller areas. More than 1.1 million people have sought refuge in UNRWA facilities across Gaza, creating overcrowded, undignified, and unhygienic conditions. Others have nowhere to shelter and find themselves on the street. Explosive remnants of war are rendering areas uninhabitable. There is no effective protection of civilians.
The health care system in Gaza is collapsing. Hospitals have turned into battlegrounds. Only 14 hospitals out of 36 facilities are even partially functional. The two major hospitals in south Gaza are operating at three times their bed capacity and are running out of basic supplies and fuel. They are also sheltering thousands of displaced persons. Under these circumstances, more people will die untreated in the coming days and weeks.
Nowhere is safe in Gaza.
Amid constant bombardment by the Israel Defense Forces, and without shelter or the essentials to survive, I expect public order to completely break down soon due to the desperate conditions, rendering even limited humanitarian assistance impossible. An even worse situation could unfold, including epidemic diseases and increased pressure for mass displacement into neighbouring countries.
In Resolution 2712 (2023), the Security Council “calls for the scaling up of the provision of such supplies to meet the humanitarian needs of the civilian population, especially children.”
The current conditions are making it impossible for meaningful humanitarian operations to be conducted. We are, nevertheless, preparing options for monitoring the implementation of the resolution, even if we recognize that in the present circumstances, that is untenable.
While delivery of supplies through Rafah continues, quantities are insufficient and have dropped since the pause came to an end. We are simply unable to reach those in need inside Gaza. The capacity of the United Nations and its humanitarian partners has been decimated by supply shortages, lack of fuel, interrupted communications, and growing insecurity. Humanitarian personnel have joined the vast majority of Gazan civilians in evacuating to south Gaza ahead of advancing military operations. At least 130 UNRWA colleagues have been killed, many with their families.
We are facing a severe risk of collapse of the humanitarian system. The situation is fast deteriorating into a catastrophe with potentially irreversible implications for Palestinians as a whole and for peace and security in the region. Such an outcome must be avoided at all cost.
The international community has a responsibility to use all its influence to prevent further escalation and end this crisis. I urge the members of the Security Council to press to avert a humanitarian catastrophe. I reiterate my appeal for a humanitarian ceasefire to be declared. This is urgent. The civilian population must be spared from greater harm. With a humanitarian ceasefire, the means of survival can be restored, and humanitarian assistance can be delivered in a safe and timely manner across the Gaza Strip.
Please accept, Mr. President, the assurances of my highest consideration.
Während wir hierzulande einigermaßen hilflos in die Region schauen und damit ringen, Empathie weiter möglich sein zu lassen, geht die Debatte, was die Ereignisse und ihr Umfeld mit „uns“ und unser „“Erinnerungskultur“ zu tun hat, ebenso unvermindert weiter …
Ein streitbarer und lesenswerter Beitrag von May Czollek (im Gespräch mit Paul Gäbler) in der Frankfurter Rundschau.
Wir werden in den nächste Monaten sehen, was der 7. Oktober wohin verändert hat / verändern wird – auf allen Seiten, vielleicht sind dabei auch konstruktive Veränderungen.
Mansour Abbas, der in (und mit) der letzten israelischen Regierung bereit war, einen offen kooperativen Weg zu gehen, hat jetzt im innerisraelischen Diskurs dafür geworben, daß die palästinensischen Fraktionen einsehen, daß ihr bewaffneter Kampf nie zum Erfolg geführt hat und sie die Waffen niederlegen sollten, um mit der PA einen palästinensischen Staat aufzubauen.
Hier das Interview, das Abbas CNN (Werbung vor dem Interview) gegeben hat, dann der Bericht in der Times of Israel darüber, der es dann sogar zu einem Bericht im Berliner Tagesspiegel (eigentlich auch nicht so überraschend beim TS) geschafft hat.
Essen verbindet –Wir tragen den November hier nach und zeigen Dezember – und weisen schon einmal auf den Kalender 2024 hin …. und vergessen doch nicht, was zur Zeit im ‚Hl. Land‘ geschieht ….
Ein Begleiter durch das Jahr 2023 – Mit Photos von Bärbel Doering und aus dem AphorismA Verlagsarchiv
Photo: Doering
israel & palästina – Zeitschrift für Dialog | Ausgabe 4-2022
Politikwissenschaftler an der Universität Kaiserslautern, ehemals diAk-Vorstand und Leiter des Büros der Böll Stiftung in Tel Aviv
Der 7. Oktober und der Einbruch des Terrors in das Kernland Israels hat das Land in eine Schockstarre versetzt. Zuvor war Israel in zwei Lager geteilt und seine demokratischen Kräfte haben sich ausdauernd gegen den Demokratieabbau der rechten Regierung Netanyahu zur Wehr gesetzt. Die äußeren und inneren Folgen der Katastrophe zu bewältigen, scheint zurzeit ein neues nationales Einheitsgefühl zu erzeugen.
Allerdings melden sich immer mehr kritische Stimmen zu Wort. Das Versagen der rechtsextremen Regierung vor und nach dem 7.Oktober scheinen diese zu diskreditieren.
Das Vertrauen in das Sicherheitssystem und die Wehrhaftigkeit ist erschüttert. Das Versagen des Militärs und der Sicherheitskontrolle hat weitreichende Folgen für das Selbstverständnis Israels.
Gleichzeitig läßt sich die Gegenwart des ungelösten Konflikts nicht mehr verdrängen. Wie der Konflikt bearbeitet wird, ob Konzepte ziviler Konfliktbearbeitung eine Chance haben werden, hängt auch wesentlich von der inneren Verfaßtheit Israels ab, insbesondere inwieweit der aggressive Nationalismus zurückgedrängt werden kann und einem anderen Staatsverständnis Platz macht.
Wieder Menschen befreit, aber wir lange hält die „Waffenruhe“ noch …
Auf die Arbeit von Standing Together (hebräisch: Omdim Beyachad, arabisch: Nakef Ma‘an) haben wir hier schon öfter hingewiesen.
Im aktuellen Mailing des NIF (New Israel Fund) heißt es:
„Die jüdisch-arabische Grassrootsbewegung setzt sich für Gleichberechtigung aller Bürger:innen Israels, ein friedliches Miteinander, das Ende der Besatzung und soziale und Klimagerechtigkeit ein. Seit den Hamas-Angriffen auf Israel vom 7. Oktober und dem Beginn der erneuten kriegerischen Auseinandersetzung organisieren Standing Together regelmäßige Zusammenkünfte jüdischer und palästinensischer Bürger:innen Israels. „Sie ist Palästinenserin und ich bin Jude. Aber das einzige Zuhause, das wir beide haben, ist dasselbe Zuhause”, sagte Alon-Lee Green, Mitgründer und Kodirektor der Initiative kürzlich in der New York Times. Gerade in Zeiten, wo der Diskurs über Israel und Palästina derart verengt ist, dass kein Raum für Schmerz und Trauer bleibt, und der Blick auf die Betroffenen als Menschen und auf Gleichzeitigkeiten von Schmerz und Leid versperrt bleibt, brauchen Initiativen wie Standing Together unsere Unterstützung.
Daher freuen wir uns sehr, dass Alon-Lee Green, Ko-Direktor und Mitgründer, und Rula Daood, Ko-Direktorin der Organisation kommende Woche kurzfristig in Berlin sein werden.
In zwei Gesprächen mit taz-Redakteurin Dinah Riese werden die beiden Aktivist:innen über ihre Arbeit berichten. Die Veranstaltungen sind auf Englisch, die zweite wird auch im Livestream übertragen:
76 Jahre ist es heute her … der Teilungsbeschluß der Vereinten Nationen war keine Lösung, aber eine Regelung, bei der beide Seiten etwas erreicht hätten, beiden etwas geblieben wäre – und keine Seite gegen die andere alles bekommen hätte … keine Lösung, aber eine Regelung…
Noch ist „Waffenruhe“ im Gazastreifen, wer weiß wir lange noch. In der Westbank wird im Windschatten versucht, weiter(e) Fakten zu schaffen, alles keine guten Aussichten für eine Zukunft, in der beide Seiten Platz haben müssen.
Hier ein dringender Appell von Eitay Mack zur aktuellen Situation in der Westbank.