Am Abend des 8. Dezember

Chanukka, zweiter Abend, … Hochfest Mariä Empfängnis – und zugleich wird in Gaza gekämpft, werden weiter Raketen geschossen …

Wer wünscht sich derzeit nicht Geschichten, die Hoffnung im Nahostkonflikt machen, auch für unser Zusammenleben hier in Deutschland? Genau die bringt heute das Kulturmagazin Aspekte (ZDF) für die Norbert Kron gerade in Israel und im Westjordanland war… Er schriebt dazu „Für mich, dem das Land und die Menschen dort nach vielen Besuchen persönlich so am Herzen liegt, war diese Drehreise eines der bedeutendsten Erlebnisse meiner journalistischen Arbeit überhaupt. Nach 4 Jahren konnte ich nicht nur meine Freunde in dieser angespannten Zeit wiedersehen, sondern unglaublich engagierte Menschen treffen, die sich gegen die Konfrontation zwischen Israelis und Palästinensern stemmen und Versöhnungsgesten gerade jetzt weiter vorantreiben. Wie die ‚Combatants for Peace‘, ehemalige Soldaten und militante Aufständische, die die Waffen weggeworfen haben und die ich bei ihrem Treffen in Beit Jalla begleiten durfte. Dies und noch viele andere starke Brückenbauer, auch hier in Deutschland, heute im TV & ab 21 Uhr online.“

Screenshot zu ZDF Aspekt

Am Abend des 7. Dezember

Was eigentlich „im Hintergrund“ geschieht, bleibt oft naürlich unbeleuchtet, hier einmal etwas an Information über die Chancen und Grenzen der Arbeit des Internationalen Roten Kreuzes: Fabrizio Carboni, IKRK-Regionaldirektor für den Nahen Osten im Gespräch:

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Ein aktuelles Interview mit Robert Mardini, ICRC’s director general, mit den (saudischen) Arab News.

Am Abend des 6. Dezember

Advent, Channuka bald … zwischen Traumata und weiterer Gewalt – und kein Ende in Sicht … so sieht es an diesem Tag der Generalsekretär der Vereinten Nationen:

His Excellency
Mr. José Javier de la Gasca Lopez Domínguez
President of the Security Council
New York

Dear Mr. President,

I am writing under Article 99 of the United Nations Charter to bring to the attention of the Security Council a matter which, in my opinion, may aggravate existing threats to the maintenance of international peace and security.

More than eight weeks of hostilities in Gaza and Israel have created appalling human suffering, physical destruction and collective trauma across Israel and the Occupied Palestinian Territory.

More than 1,200 people were brutally killed, including 33 children, and thousands were injured in the abhorrent acts of terror by Hamas and other Palestinian armed groups on 7 October 2023, which I have repeatedly condemned. Some 250 people were abducted, including 34 children, more than 130 of whom are still captive. They must be immediately and unconditionally released. Accounts of sexual violence during the attacks are appalling.

Civilians throughout Gaza face grave danger. Since the start of Israel’s military operation, more than 15,000 people have reportedly been killed, over 40 per cent of whom were children. Thousands of others have been injured. More than half of all homes have been destroyed. Some 80 per cent of the population of 2.2 million has been forcibly displaced, into increasingly smaller areas. More than 1.1 million people have sought refuge in UNRWA facilities across Gaza, creating overcrowded, undignified, and unhygienic conditions. Others have nowhere to shelter and find themselves on the street. Explosive remnants of war are rendering areas uninhabitable. There is no effective protection of civilians.

The health care system in Gaza is collapsing. Hospitals have turned into battlegrounds. Only 14 hospitals out of 36 facilities are even partially functional. The two major hospitals in south Gaza are operating at three times their bed capacity and are running out of basic supplies and fuel. They are also sheltering thousands of displaced persons. Under these circumstances, more people will die untreated in the coming days and weeks.

Nowhere is safe in Gaza.

Amid constant bombardment by the Israel Defense Forces, and without shelter or the essentials to survive, I expect public order to completely break down soon due to the desperate conditions, rendering even limited humanitarian assistance impossible. An even worse situation could unfold, including epidemic diseases and increased pressure for mass displacement into neighbouring countries.

In Resolution 2712 (2023), the Security Council “calls for the scaling up of the provision of such supplies to meet the humanitarian needs of the civilian population, especially children.”

The current conditions are making it impossible for meaningful humanitarian operations to be conducted. We are, nevertheless, preparing options for monitoring the implementation of the resolution, even if we recognize that in the present circumstances, that is untenable.

While delivery of supplies through Rafah continues, quantities are insufficient and have dropped since the pause came to an end. We are simply unable to reach those in need inside Gaza. The capacity of the United Nations and its humanitarian partners has been decimated by supply shortages, lack of fuel, interrupted communications, and growing insecurity. Humanitarian personnel have joined the vast majority of Gazan civilians in evacuating to south Gaza ahead of advancing military operations. At least 130 UNRWA colleagues have been killed, many with their families.

We are facing a severe risk of collapse of the humanitarian system. The situation is fast deteriorating into a catastrophe with potentially irreversible implications for Palestinians as a whole and for peace and security in the region. Such an outcome must be avoided at all cost.

The international community has a responsibility to use all its influence to prevent further escalation and end this crisis. I urge the members of the Security Council to press to avert a humanitarian catastrophe. I reiterate my appeal for a humanitarian ceasefire to be declared. This is urgent. The civilian population must be spared from greater harm. With a humanitarian ceasefire, the means of survival can be restored, and humanitarian assistance can be delivered in a safe and timely manner across the Gaza Strip.

Please accept, Mr. President, the assurances of my highest consideration.

António Guterres

The Secretary-General

Am Abend des 5. Dezember

Während wir hierzulande einigermaßen hilflos in die Region schauen und damit ringen, Empathie weiter möglich sein zu lassen, geht die Debatte, was die Ereignisse und ihr Umfeld mit „uns“ und unser „“Erinnerungskultur“ zu tun hat, ebenso unvermindert weiter …

Ein streitbarer und lesenswerter Beitrag von May Czollek (im Gespräch mit Paul Gäbler) in der Frankfurter Rundschau.

diAk-online – Zur aktuellen Situation

Zur aktuellen Situation in Israel/Palästina

Dienstag, 5. Dezember 2023, 18:00-19.00 Uhr

Politikwissenschaftler an der Universität Kaiserslautern, ehemals diAk-Vorstand und Leiter des Büros der Böll Stiftung in Tel Aviv

Der 7. Oktober und der Einbruch des Terrors in das Kernland Israels hat das Land in eine Schockstarre versetzt. Zuvor war Israel in zwei Lager geteilt und seine demokratischen Kräfte haben sich ausdauernd gegen den Demokratieabbau der rechten Regierung Netanyahu zur Wehr gesetzt. Die äußeren und inneren Folgen der Katastrophe zu bewältigen, scheint zurzeit ein neues nationales Einheitsgefühl zu erzeugen.

Allerdings melden sich immer mehr kritische Stimmen zu Wort. Das Versagen der rechtsextremen Regierung vor und nach dem 7.Oktober scheinen diese zu diskreditieren.

Das Vertrauen in das Sicherheitssystem und die Wehrhaftigkeit ist erschüttert. Das Versagen des Militärs und der Sicherheitskontrolle hat weitreichende Folgen für das Selbstverständnis Israels.

Gleichzeitig läßt sich die Gegenwart des ungelösten Konflikts nicht mehr verdrängen. Wie der Konflikt bearbeitet wird, ob Konzepte ziviler Konfliktbearbeitung eine Chance haben werden, hängt auch wesentlich von der inneren Verfaßtheit Israels ab, insbesondere inwieweit der aggressive Nationalismus zurückgedrängt werden kann und einem anderen Staatsverständnis Platz macht.

Am Abend des 30. November

Wieder Menschen befreit, aber wir lange hält die „Waffenruhe“ noch …

Auf die Arbeit von Standing Together (hebräisch: Omdim Beyachad, arabisch: Nakef Ma‘an) haben wir hier schon öfter hingewiesen.

„Die jüdisch-arabische Grassrootsbewegung setzt sich für Gleichberechtigung aller Bürger:innen Israels, ein friedliches Miteinander, das Ende der Besatzung und soziale und Klimagerechtigkeit ein. Seit den Hamas-Angriffen auf Israel vom 7. Oktober und dem Beginn der erneuten kriegerischen Auseinandersetzung organisieren Standing Together regelmäßige Zusammenkünfte jüdischer und palästinensischer Bürger:innen Israels.
„Sie ist Palästinenserin und ich bin Jude. Aber das einzige Zuhause, das wir beide haben, ist dasselbe Zuhause”, sagte  Alon-Lee Green, Mitgründer und Kodirektor der Initiative kürzlich in der New York Times.
Gerade in Zeiten, wo der Diskurs über Israel und Palästina derart verengt ist, dass kein Raum für Schmerz und Trauer bleibt, und der Blick auf die Betroffenen als Menschen und auf Gleichzeitigkeiten von Schmerz und Leid versperrt bleibt, brauchen Initiativen wie Standing Together unsere Unterstützung.

Daher freuen wir uns sehr, dass Alon-Lee Green, Ko-Direktor und Mitgründer, und Rula Daood, Ko-Direktorin der Organisation kommende Woche kurzfristig in Berlin sein werden.

In zwei Gesprächen mit taz-Redakteurin Dinah Riese werden die beiden Aktivist:innen über ihre Arbeit berichten. Die Veranstaltungen sind auf Englisch, die zweite wird auch im Livestream übertragen:

Montag, 4. Dezember um 19:00 Uhr im Grünen Salon der Volksbühne Berlin:
„Where there is struggle, there is hope“
Mehr Informationen hier. Eintritt frei nach Voranmeldung unter veranstaltungen@romatrial.org.

Dienstag, 5. Dezember um 19:00 Uhr in der taz Kantine, Friedrichstr. 21 in Berlin:
„Den Krieg zusammen durchstehen“
Mehr Informationen und Anmeldung hierLink zum LivestreamDienstag, 5. Dezember um 19:00 Uhr in der taz Kantine, Friedrichstr. 21 in Berlin:
„Den Krieg zusammen durchstehen“
Mehr Informationen und Anmeldung hierLink zum Livestream

Am Abend des 27. November

Zum vierten Mal sind Menschen freigekommen – und zwei weitere Tage der Waffenruhe scheinen sich zu realisieren. Was kommt dann?

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Heute Abend einmal keine eigene Nachricht, sondern ein Hinweis auf ein Onlineportal, das auch hier öfter zitiert wird:

Wichtige Themen und Fragen, sehr kritische und sehr unbequeme, aber mehr als nötige.
(Und die Initiative kann auch (u.a. materiell) unterstützt werden …)

Am Abend des 26. November

Ein dritte Gruppe freigelassen, der US-Außenminister in Ägypten, was wird am Dienstag werden?

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Loui Haj, ein Israeli mit palästinensischer Nationalität (oder ein 48er Palästinenser, oder ein israelischer Araber oder ….) gibt in Haaretz ein Plädoyer für ‚Palestine and Israel, side by side‘ statt für ‚From the river to the sea, Palestine will be free‘ …

„Israel has an unshakable right to exist that does not require your approval. The Jewish people have a full, unapologetic right to a nation-state of their own, as owed to it by human ethics and history. And the same goes for the Palestinian people.

Two peoples side by side, not one at the expense of the other, not one in place of the other. Two peoples who are focused on the present and future and not on history, and who is more right.

Two peoples with a full and unshakable right to exist “from the river to the sea,” who are not going anywhere aside from having to embark upon a long, winding road of healing, a road flanked by difficult compromises and painful concessions.“

Am Abend des 25. November

Mitten im Warten auf weitere Freilassungen, darauf, daß in dieser Situation etwas entstehen könnte, aus dem weitere gewaltminimierende Schritte möglich werden könnten …, das ist schon viel …

In der ZEIT schreibt Daniel Etter – und fast so wichtig, jedenfalls so interessant, wie die lohnende Lektüre dieses nach dem Grauen (dem nicht Schwarz-Weißen) suchen-, ist ein Blick in die Leser:innenzuschriften, auch wenn die Anonymität sicher der Wert einschränkt …

Am Abend des 23. November

Wartend auf den Morgen … auf daß das Warten nicht wieder vergebich sein möge – Und die Zeit bis Dienstag klug und menschlich genutzt werden möge…

Hier bei uns gibt es noch viel zu reden und zu besprechen, und das meint nicht vom jeweils anderen Bekenntnisse und Positionen abzuverlagen, auch nicht wenn es das Staatsoberhaupt tun zu müssen glaubt.

Ein wirklich lesenswertes Gespräch von Alena Jabarine und Tomer Dotan-Dreyfus in der ZEIT – sich nicht spalten lassen: