Fragen, die sich auch in Deutschland stellen (werden) …

Fragen, die sich auch in Deutschland stellen (werden) …

Zwischen der extremen Rechten und dem Faschismus sollte genau unterschieden werden – gerade weil die Gefahr von rechts so groß ist
Damit befaßt sich ein Beitrag auf ipg-journal.de von Jan-Werner Müller, derzeit Forschungsmitglied am Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie am Exzellenzcluster Contestations of the Liberal Script an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin. Im Mai 2021 erschien sein Buch Freiheit, Gleichheit, Ungewissheit: Wie schafft man Demokratie? Zuvor lehrte er Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Princeton.
Samstag, 26. November 2022 – 19.05 Uhr – Live aus dem Staatstheater Nürnberg | Oper in zwei Teilen

Bildquelle: © Ludwig Olah
Er war eine der tragischen Figuren des 20. Jahrhunderts: Der geniale Mathematiker Alan Turing, Pionier der Informatik, der im Zweiten Weltkrieg den Enigma-Code der deutschen Wehrmacht knackte und so den Weg der Alliierten zum Sieg ebnete. Doch musste er sich wegen seiner Homosexualität in seiner Heimat Großbritannien einer demütigenden ‚Behandlung‘ unterziehen, die ihn in den Selbstmord trieb.
Dieses Schicksal bewegte den Komponisten Anno Schreier und er komponierte eine Oper über die Triumphe und Leiden des einsamen Genies. Das Libretto schrieb der Nürnberger Dramaturg Georg Holzer. BR-KLASSIK überträgt live die Uraufführung in der Inszenierung von Staatsintendant Jens Daniel Herzog. Musikalische Leitung: Guido Johannes Rumstadt.
Ein Meinungsbeitrag von Susie Becher, Kommunikationsdirektorin der Policy Working Group, einer Gruppe von Israelis, darunter ehemaligen Mitgliedern des diplomatischen Dienstes und der Sicherheitseinrichtungen des Landes, die sich gegenüber der internationalen Gemeinschaft weiterhin für eine Regelung des Israelisch-Palästinensischen Konflikts auf der Basis der einer Zwei-Staaten-Regelung einsetzen:
„Not only the Israeli left but progressive governments everywhere are reeling from the outcome of the Israeli elections. It is not so much the decisive victory of the right-wing, pro-Netanyahu camp, whose voters showed utter disregard for the values of honesty, integrity, and truth as characteristics for leadership, that has shaken liberals around the world. What is far more worrisome is the impressive 12% of the seats in parliament won by the extremist Religious Zionism party, the wretched alliance of the Kahanist Itamar Ben-Gvir with the fundamentalist Bezalel Smotrich that has both Jews and Arabs, quaking at the thought of the racist, reactionary, homophobic, chauvinistic policies they may seek to advance.
Smotrich, Ben-Gvir, senior Likud members, and commentators identified with the right wing are busy trying to assure the public that there is nothing to fear, that the status quo on gay rights, abortion laws, and other issues related to civil rights will be preserved. It is too early to assume that that will not be the case, to no small degree because of the Religious Zionist leaders’ understanding that the surge in this popularity did not come from a public hungry for halakhic rule but rather from a public that loathes the Arabs among whom we live. Despite assurances to the contrary, there may yet be a turn on the domestic scene that makes the current level of religious coercion in Israel look like a liberal paradise, but what is an absolute certainty is that we will see an increase in anti-Arab discourse designed to delegitimize the Arab political parties and make the entire Palestinian population in Israel appear suspect and entitled to no more than conditional citizenship. Furthermore, the incoming government – right wing from end to end with a large percentage of religious parties – will be united not only in its objection to the establishment of a Palestinian state but also in its refusal to recognize the very need for a diplomatic resolution of the Israel-Palestine conflict and its portrayal of the expansion of settlement in East Jerusalem and the West Bank as the fulfillment of the destiny of the “chosen people” on its own land.
Germany, as a leading EU member state but, even more importantly, as a country that has committed itself to the defense of the security of the Jewish people and the State of Israel as its raison d’etat, is facing a unique challenge. Its leaders are wondering how Germany can chastise the Israeli Government or impose punitive measures without breaking the promise that lies at the foundation of German-Israel relations and without being perceived as reverting to an antisemitic stance reminiscent of the Nazi era. The real question, however, is how can it not?
Following the approach adopted by the Biden administration, Europe and Germany in particular must stress that democratic values are fundamental to their relations with Israel and that they expect to see these values upheld both domestically and in its treatment of the Palestinians.
Such a change in German policy would not constitute abandonment of its unwavering commitment to the security of Israel; rather, it would demonstrate willingness to act when Israel strays from the path of justice and democracy because it recognizes that the greatest danger to the security of the state and of world Jewry would be giving license to a racist, fascist government whose policies ignite the Middle East.“
Eine internationale Tagung am Franz Rosenzweig Minvera Reseach Center an der Hebräischen Universität in (West-)Jerusalem über den Dichter und Künster Manfred Winkler (1922-2014) | 29./30. November 2022

Aktueller Bericht in der israelischen Tageszeitung Ha’aretz über die Verbannung von Literatur aus US-amerikanischen öffentlichen Büchereien.

Die Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem hat ein kürzlich erhaltenes Bilderalbum mit Photos zum November-Pogrom digital aufbereite und es online zugänglich gemacht.
„Rare Photographs Shed Light on the Events of the November Pogrom 84 Years Ago“
diAk-online mit Katharina Konarek (Haifa)
zur Einordung des israelischen Wahlergebnisses und der potentiellen neuen israelischen Regierung, zu der ja in den vergangenen zwei Wochen schon eine Reihe von Namen und möglichen Projekten in der Öffentlichkeit kursieren.

Prof. em. Dr. Michael Wildt:
Überarbeitete und ergänzte Fassung der Abschiedsvorlesung vom 17. Februar 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin
„In der aktuellen Debatte um Holocaust, Kolonialismus und Erinnerung hat Per Leo jüngst angeregt, dass Historikerinnen und Historiker irritierende Fragen stellen sollten. Diesem, wie ich finde, klugen Vorschlag folgend, möchte ich hier diskutieren, ob und inwieweit die Rede von der Singularität des Holocaust angemessen, sinnvoll, erkenntnisfördernd ist. Wie ist sie (in der Bundesrepublik) entstanden, und worin könnte heute ihre Aussagekraft liegen? Müsste die Perspektive nicht erweitert werden? Solche Fragen führen in das Zentrum einer Debatte, die hierzulande seit der Auseinandersetzung vom Frühjahr 2020 um den afrikanischen postkolonialen Theoretiker Achille Mbembe heftig entbrannt ist, dem der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Felix Klein vorwarf, den Holocaust zu relativieren. Die vor allem in den Feuilletons geführte Debatte verschärfte sich, als der in den USA lehrende Historiker A. Dirk Moses im Mai 2021 mit einem provokanten Essay die deutsche Erinnerungskultur kritisierte: In der Fixierung auf den Holocaust würden die Kolonialverbrechen ausgeblendet. Die Kontroverse um Antisemitismus auf der diesjährigen documenta bildete mit den schrillen Tönen zweifellos den vorläufigen Tiefpunkt dieser Debatte. Nachdenkliche Argumente wie von Micha Brumlik, Sebastian Conrad, Charlotte Wiedemann oder Natan Sznaider scheinen kaum noch Gehör zu finden.“
Der spannende ganze Text kann hier gelesen oder heruntergeladen werden.
Bibliographische Angaben:
Prof. em. Dr. Michael Wildt, Was heißt: Singularität des Holocaust?, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 19 (2022), H. 1,
URL: https://zeithistorische-forschungen.de/1-2022/6022,
DOI: https://doi.org/10.14765/zzf.dok-2405,
Druckausgabe: S. 128-147.
Goethe-Institut und Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv vertagen die für den 13. November geplante Veranstaltung „Den Schmerz der anderen begreifen“ auf einen späteren Zeitpunkt.
Die Erinnerung an die Shoah und das Gedenken der Opfer sind dem Goethe-Institut und der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein großes Anliegen. Das Goethe-Institut widmet sich diesem Thema in zahlreichen Projekten in Israel und weltweit. Es steht für Verständigung und Dialog. Das Datum der ursprünglich für den 9. November in Tel Aviv geplanten Veranstaltung „Den Schmerz der anderen begreifen“ war sehr unglücklich gewählt und wurde korrigiert. Im Vorfeld der Veranstaltung hat sich in Deutschland und Israel zunehmend ein Diskussionsklima entwickelt, das deren sachgerechte Durchführung unmöglich macht. Es muss mit massiven Störungen gerechnet werden, die Sicherheit der Podiumsdiskussion ist vor diesem Hintergrund leider nicht zu gewährleisten. Das wichtige Thema der Erinnerungskultur kann so nicht in angemessener Weise behandelt werden.
Das Goethe-Institut und die Rosa-Luxemburg-Stiftung haben deshalb gemeinsam entschieden, die für den 13. November geplante Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Wir werden jetzt gemeinsam mit einer Vielzahl von Diskursbeteiligten über die Neukonzeptionierung nachdenken.
Wir bedauern sehr, dass die von uns geplante Veranstaltung bereits vor ihrer Durchführung in einem Maße der öffentlichen Kritik ausgesetzt war, dass ihre erneute Verschiebung unumgänglich wurde.
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In einer persönlichen Erklärung schreibt Charlotte Wiedemann über die Absage der Präsentation ihre Buches u.a.:
„Niemand hatte vor, die in ihren Dimensionen und Konsequenzen völlig unterschiedlichen historischen Ereignisse Holocaust und Nakba gleichzusetzen. (…) Stattdessen sollte debattiert werden, wie die beiden jeweils identitätsstiftenden Traumata verflochten sind und wie sie von der anderen Seite besser verstanden werden können. (…) Dies war ein Testfall, wie Deutschland mit der verschärft rechten Stimmung nach den Wahlen [in Israel] umgeht, und Deutschland hat nach meinem Verständnis demokratischer Werte diesen Test nicht bestanden.“