Daniel Bar-Tal im ZEIT-Gespräch

Der Autor unseres Schriftenreihen-Bandes 46 | Unbekümmert in den Abgrund. Die Folgen von Konflikt und Besatzung für die jüdisch-israelische Gesellschaft in einem ganzseitigen Gespräch in der ZEIT (aktuell hinter der Bezahlschranke, aber im folgenden ein paar Zitate):

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Eine hundertjährige Moschee in Berlin

Offenes Haus. Eine hundertjährige Moschee in Berlin

Die Moschee in der Brienner Straße in Wilmersdorf ist ein besonderer Erinnerungsort. Im September 1924 begannen die Arbeiten an dem Kuppelbau mit seinen beiden hohen Minaretten. Die Lahore Ahmadiyya-Bewegung im Islam, eine muslimische Reformbewegung aus dem damals britisch kolonisierten Indien, beauftragte den Bau. Sie ist die älteste noch bestehende Moschee in Deutschland und wird bis heute von der Gemeinde genutzt.

Die Architektur zeugt vom Selbstvertrauen ihrer Gründer, die Kontakt zum intellektuellen deutschen Milieu suchten. Auch für diasporische Gemeinschaften muslimischen Glaubens, die damals bereits in Berlin lebten, wird die Moschee zum Ankerpunkt. In der Moschee begegneten sich zwischen den Kriegen verschiedenste Lebensentwürfe: Spiritualität und Lebensreform, antikoloniale Netzwerke und kosmopolitische Weltsichten, Freundschaften, Ehen und Familien. Das änderte sich im Nationalsozialismus. Nach dem Krieg gelang der Neuanfang.

Anläßlich des einhundertjährigen Entstehens ruft die Ausstellung die Geschichte dieser Moschee in Erinnerung, und die Geschichte derjenigen, die eine bald blühende Gemeinde aufbauten. Als ab den 1960er Jahren die Arbeitsmigration neue muslimische Gemeinden in West-Berlin befördert, ist die besondere Gründungsgeschichte der Moschee in Wilmersdorf weitgehend in Vergessenheit geraten.

Das Gemeindearchiv wurde vor wenigen Jahren bei Sanierungsarbeiten geborgen. Dokumente aus der Gemeindeverwaltung, Missionsschriften und viele Photographien werden in der Ausstellung gezeigt. Erinnerungsstücke aus weiteren privaten Familienarchiven unterstreichen die besondere Bedeutung der Moschee in vielen Berliner Lebenswegen.  

Eine Ausstellung des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf mit der Lahore Ahmadiyya-Gemeinde

Weltwoche für Frieden in Palästina und Israel

Für die Weltwoche für Frieden in Palästina und Israel vom 16. bis 22. September 2024 hat der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) neue Materialien veröffentlicht. In dieser Woche findet am 21. September auch der Weltfriedenstag der Vereinten Nationen statt, der zum 25. Mal begangen wird.

Bedrohung der zivilgesellschaftlichen Demokratiearbeit

Hochschule Niederrhein

Menschen engagieren sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, trotz Bedrohungen. Die zivilgesellschaftliche Arbeit für Demokratie und ‚gegen Rechts‘ steht vielerorts unter massiver Bedrohung – und mit ihr die Engagierten. Das Projekt „BEWARE: Bedrohte Demokratieprojekte wappnen und resilient machen“ (2023-2024) hat in einer quantitativen und qualitativen Studie beruflich, ehrenamtlich und aktivistisch Engagierte über erlebte Bedrohungen und ihren Umgang damit befragt.

PDF des Kurzberichts zum Herunterladen

Der Orient in Gotha

Sonntag, 8. September bis Sonntag, 3. November 2024

Schloß Friedenstein, Spiegelsaal

Kurator: Dr. Feras Krimsti

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr sowie an den Feiertagen 20. September, 3. Oktober und 31. Oktober. Vom 25. bis 27. September bleibt die Ausstellung geschlossen.

Ende des 16. Jahrhunderts notierte ein Schüler osmanische Wörter in sein Schulheft. Er sollte später ein einflußreicher lutherischer Theologe werden. Vom Besuch eines äthiopischen Geistlichen in Gotha 1652 sind Übersetzungen religiöser Literatur erhalten, die er gemeinsam mit einem deutschen Gelehrten verfaßte, der die Äthiopistik begründen sollte. Im 17. Jahrhundert schrieb ein Numismatiker ein Lobgedicht in Arabisch und Latein auf den Gothaer Herzog, in der Hoffnung sich eine Position an der Herzoglichen Bibliothek zu sichern. Ein Naturforscher sandte im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts von seiner Reise durch das Osmanische Reich und Arabien arabische, persische und osmanische Handschriften an die Gothaer Bibliothek. Auch sammelte er im Osmanischen Reich kulturelle Artefakte, wie etwa einzigartige historische Stoffproben, und schickte sie nach Gotha.

Diese und viele weitere Spuren der Auseinandersetzung mit dem Orient haben sich in Gotha erhalten. Sie verweisen auf das Wirken von Gelehrten, die es vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in die Stadt zog. Dazu gehörten protestantische Theologen, aufklärerische Naturforscher, historisch-kritisch arbeitende Orientalisten, Dichter der Romantik oder auch Kartographen. Diesen Gelehrten und den Spuren, die sie hinterlassen haben, ist die Ausstellung „Der Orient in Gotha“ gewidmet. Jeder von ihnen prägte auf seine Weise die Sicht auf die Kultur, Geschichte, Literatur und Geographie des Osmanischen Reichs, der arabischen Halbinsel, Äthiopiens und weiterer Gebiete, die als Teil des Orients verstanden wurden. Vierhundert Jahre Orient-Studien in Gotha zeugen nicht nur vom Wandel der Wissenschaften, sondern beleuchten auch die Geistes- und Wissenskultur der Stadt Gotha.

Ausstellungsflyer

ExtremismusMonitor Thüringen

Diskursverschiebungen sichtbar machen: Diesem Ziel gilt die wissenschaftliche Sammlung und Auswertung potentiell verfassungsfeindlicher Äußerungen aus dem Thüringer AfD-Verband

Der ExtremismusMonitor Thüringen ist eine Untersuchung des Instituts für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre der Universität zu Köln. Zum Zwecke der wissenschaftlichen Auswertung sowie gesellschaftlichen Information stellt er – ausschließlich öffentliche – Äußerungen der AfD Thüringen sowie ihres Führungspersonals auf Landes- und Kreisebene zusammen und ordnet sie juristisch ein. Bürgerinnen und Bürgern abseits behördlicher Einschätzungen eine objektive Bewertungsmöglichkeit an die Hand zu geben, ist leitendes Motiv des ExtremismusMonitors Thüringen.

Kant and the Non-European: Critique, Justice and Freedom

Opening lecture with Oxana Timofeeva on

September 5, 2024, 5pm CET

Zur geplanten Resolution zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland

Kunst und Wissenschaft, Kulturinstitutionen und Hochschulen sind wesentliche
Diskursräume der Demokratie und damit auch Orte zur Vorbeugung und Bekämpfung von
Antisemitismus und jeder Form von Diskriminierung. Zahlreiche Institutionen, Künstler:innen,
Wissenschaftler:innen und Einzelakteur:innen haben durch künstlerische,
zivilgesellschaftliche und wissenschaftliche Projekte Brücken gebaut und Räume für
Verhandlung und Meinungsbildung geschaffen. Strukturen und Arbeitsprozesse im Kulturund
Wissenschaftsbereich wurden in den vergangenen Jahren zunehmend selbstkritisch
analysiert und diversitätsorientiert weiterentwickelt.

In diesem Sinne begrüßen wir die Initiative, demokratische Maßnahmen zur Bekämpfung
von Antisemitismus sowie gegen jede Form von Diskriminierung auf den Weg zu bringen.

Die öffentlich gewordene Fassung der geplanten Resolution „Nie wieder ist jetzt: Jüdisches
Leben in Deutschland schützen, bewahren und stärken“ erfüllt uns jedoch mit großer Sorge.
Nach ersten juristischen Einschätzungen kollidiert sie mit dem Grundgesetz,1 bringt eine
mannigfaltige Rechtsunsicherheit, zweifelhafte Praktikabilität und die Gefahr der
Diskriminierung mit sich. Durch die autoritative Verwendung der sehr weitreichenden und
gleichzeitig unscharfen (2) IHRA-Arbeitsdefinition als Regulierungsinstrument (3), sowie durch die
unklare Frage (4) faktischer Bindung einer Bundestags-Resolution, droht sie enorme
Verunsicherung mit sich zu bringen und zum Verstummen jener Stimmen zu führen, die
durch entsprechende Ansätze geschützt werden sollen. Ein immenser Schaden für unsere
Demokratie wäre die Folge. Doch der Bekämpfung von Antisemitismus gebührt eine
Resolution, die mit der demokratisch freiheitlichen Grundordnung in Einklang steht.
Bereits der gescheiterte Versuch, in Berlin eine Antidiskriminierungsklausel einzuführen, hat
durch Verfahren und Form der Klausel, wie unlängst durch eine Umfrage bestätigt, den
Glauben in die Politik und an eine konstruktive Zusammenarbeit tief erschüttert und die
bereits stattfindende Antidiskriminierungsarbeit um Jahre zurück geworfen. In der
inhaltlichen Arbeit der öffentlich-geförderten Institutionen hat durch die enorme
Verunsicherung Selbstzensur massiv zugenommen, der internationale Imageverlust
Deutschlands als Wirtschafts-, Kunst- und Wissenschaftsstandort ist ebenfalls gravierend.
Indem zahlreiche Expert:innenstimmen, darunter die namenhafter Jurist:innen,
Antisemitismusforscher:innen und Diversitätsexpert:innen, offensichtlich übergangen oder
ignoriert werden und zum bisherigen Entstehungsprozess der Resolution wenig Transparenz
herrscht, entstehen zusätzliche Irritationen.

Außerdem resultieren, wie auch bei möglichen Klauseln (5), nicht absehbare Konsequenzen:
Wenn ein Schutz entstehen soll, muss transparent sein, in genau welchem Fall die
Resolution greift, wer dies kontrolliert und entsprechende Konsequenzen zieht.

Welche Stelle soll die Einhaltung der Resolution in rechtsstaatlicher Form überprüfen und
sicherstellen können? Wie wird die Einhaltung von Grundrechten (z.B. Kunst-,
Wissenschafts- und Meinungsfreiheit) gewährleistet? Wie wird vermieden, dass Förderung
künftig von grundgesetzlich geschützten politischen Anschauungen abhängig gemacht wird?

Und vor allem: Wie wird sichergestellt, dass nicht ein Kontrollsystem etabliert wird, das von
antidemokratischen Kräften missbraucht werden kann?
Gerade bei einem solch immens wichtigen Thema muss eine fundierte, tragfähige und
zielführende Strategie in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, mit Kunst und
Wissenschaft und aufbauend auf die vorhandene Sachkenntnis angestrebt werden.
Wir rufen daher die Bundestagsabgeordneten aller demokratischen Parteien dazu auf, die
Resolution im gemeinsamen Dialog mit Vertreter:innen aus Kunst, Wissenschaft und
Zivilgesellschaft zu überarbeiten und ihre Verabschiedung zumindest zu vertagen – um
zeitnah gemeinsam und öffentlich zielführende Ansätze zu entwickeln, die
unsere wertebasierte und freiheitliche Demokratie festigen und Deutschland als Kunst- und
Wissenschaftsstandort stärken.

Wir möchten die Vertreter:innen aller Parteien aufrufen, einen entsprechenden Dialog zu
initiieren, um gemeinsam mit Expert:innen und Verbänden in aller Offenheit zielführendere
Lösungen zum Schutz der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland zu entwickeln.

Rabbi Michael Lerner (11. Februar 1943 – 28. August 2024) z“l

Nachruf im Forward: How Rabbi Michael Lerner merged spirituality and social justice and influenced a generation of progressives (Jay Michaelson)

Nachruf bei Tikkun / zur Person / Erinnerungen

Offener Brief | Ergänzung

Zur Debatte um die geplante Bundestagsresolution ein Interview-Beitrag des früheren Grünen-Bundestagsabgeordnete und bayerischen Verfassungsrichters Jerzy Montag auf dem Blog https://www.jmwiarda.de