RLS-Newsletter Nr. 5

Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv | Aktuelle Beiträge:

„Zu unserer Artikelserie über Militarismus und Militarisierung in Israel, die im nächsten Jahr in gedruckter Form erscheinen wird, sind zwei weitere Beiträge hinzugekommen: die Gastaktivistin Ya’ara Peretz beschreibt wie die Umweltbewegung in Israel mit dem Thema Krieg hadert – oft aus Angst ums Überleben in einer politischen Atmosphäre, die soziale und ökologische Fragen als Randthemen abtut. Und die Historikerin Idith Zertal fasst die Geschichte der israelischen Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen zusammen, und fragt sich und uns, wo die Grenze zwischen Pflicht und Gewissen liegt.“

Von Deutschland enttäuscht

Themenportal „Rechte Gewalt“

Digitale Aufarbeitung rechter Gewalt: Start des „Themenportals Rechte Gewalt“

FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

Rechte Gewalt ist kein neues Phänomen. Sie zieht sich durch die Geschichte Deutschlands, sowohl in der Bundesrepublik als auch, weniger bekannt, in der DDR. Ereignisse wie der NSU-Komplex, das Oktoberfestattentat oder die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen sind fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Sie stehen für Hunderte, wenn nicht Tausende Vorfälle, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Menschenleben forderten, Traumata hinterließen und tiefe gesellschaftliche Wunden schlugen – und dennoch oft in Vergessenheit geraten sind. Viele dieser Fälle sind nur unzureichend dokumentiert oder der breiten Öffentlichkeit unbekannt.

Um diese dunklen Kapitel der deutschen Geschichte ins Bewußtsein zu rücken, entsteht nun das Themenportal „Rechte Gewalt“. Diese neue Plattform schafft einen zentralen digitalen Ort, um das Wissen über rechtsextreme und rechtsterroristische Gewalt zu bündeln, zu bewahren und zugänglich zu machen.

Zum 1. Januar 2025 beginnt FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur – gemeinsam mit dem Bundesarchiv und dem Landesarchiv Baden-Württemberg die Arbeit an diesem bedeutenden Projekt.

Das „Themenportal Rechte Gewalt“ entsteht als Teil des Archivportals-D in der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB). Mit diesem Vorhaben wird ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Aufarbeitung und zum Erinnern geleistet; „Um die Ursachen rechter Gewalt zu verstehen und langfristig eine inklusivere Erinnerungskultur zu fördern, ist es unerläßlich, historische und zeitgenössische Quellen digital verfügbar zu machen“, erklärt Matthias Razum, Bereichsleiter e-Research von FIZ Karlsruhe.

Die Einrichtung des Themenportals findet ihre Grundlage im 2021 geschlossenen Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Darin heißt es: „Wir treiben auch innerhalb der Bundesregierung die weitere Aufarbeitung des NSU-Komplexes energisch voran und bringen ein Archiv zu Rechtsterrorismus in Zusammenarbeit mit betroffenen Bundesländern auf den Weg.“

Das Projekt adressiert die multiperspektivische Erschließung rechter Gewalt – von rechtsextremen Gruppierungen und ihren Taten bis hin zu den Betroffenen und Opfern. Es wird Archivalien staatlicher Stellen und zivilgesellschaftlicher Organisationen bündeln, eine Übersicht über vorhandene Quellen bieten, Zugänge für Forschung und Bildung schaffen und die Digitalisierung relevanter Dokumente vorantreiben.

Zu den besonderen Herausforderungen des Projekts gehört die Definitionsfrage: Der Begriff „rechte Gewalt“ wird in Deutschland erst seit den 1990er Jahren bewußt verwendet, was die historische Einordnung und Kategorisierung von Quellen erschwert. Zudem erfordert das Thema eine äußerst sorgfältige Betrachtung, da es politisch und gesellschaftlich stark diskutiert wird.

FIZ Karlsruhe wird die technische Realisierung des Themenportals verantworten. Geplant sind:

  • ein Nachweis von ca. 800 Vorfällen rechter Gewalt, interaktiv aufbereitet mittels Zeitstrahl und Karten,
  • die Einbindung von digitalisierten Archiv- und Metadaten zu diesen Vorfällen sowie
  • die Anpassung des „Einfachen Erschließungs- und Zugriffssystems“ (EEZU), um kleinen Archiven die Bereitstellung relevanter Inhalte zu ermöglichen.

Das Bundesarchiv übernimmt die Projektleitung und steuert die inhaltliche Konzeption des Themenportals. Das Landesarchiv Baden-Württemberg trägt mit seiner Expertise zur redaktionellen und systematischen Erschließung sowie zur Integration der zivilgesellschaftlichen Archive bei, unter anderem mit seiner Dokumentationsstelle Rechtsextremismus.

Die Entwicklung des Portals wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert. Diese Förderung ermöglicht die Realisierung eines Prototyps bis Mitte 2026 mit vertieften Informationen zu drei bis vier Vorfällen rechter Gewalt. Geplant ist ein späterer Ausbau der Inhalte und Funktionalitäten. Insgesamt wurde ein mehrjähriger Projektzeitraum angesetzt, der perspektivisch eine dauerhafte Integration in die bestehenden Infrastrukturen der Deutschen Digitalen Bibliothek vorsieht.

FIZ Karlsruhe bringt dabei seine Erfahrung aus ähnlichen Projekten ein, darunter das Themenportal „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts“, bei dem ebenfalls die Infrastruktur und technische Federführung bereitgestellt wird. Gleichzeitig wird exemplarisch der Workflow mit dem „Einfachen Erschließungs- und Zugriffssystem für kleine und mittlere Archive“ (EEZU) umgesetzt. Dieses System ermöglicht es auch kleineren Archiven ohne eigene IT-Infrastruktur, sich am Portal zu beteiligen und ihre Bestände zu integrieren.

Das Portal schließt eine wichtige Lücke in der historischen Aufarbeitung. Es greift Themen wie die NSU-Morde, die „Baseballschlägerjahre“ der 1990er Jahre und die rechtsextreme Szene in Ost- und Westdeutschland auf. Darüber hinaus wird es als Ressource für Wissenschaft, Medien und Bildungsinstitutionen dienen und damit langfristig zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beitragen.

… sich der Mitleidlosigkeit verweigern

Ein Essay von Drin. Dagmar Pruin (Brot für die Welt) am 21.11.2024

Ein lesenswerter Text, nicht jedem Wort muß/kann man:frau zustimmen, aber das Ringen um ein ‚aushalten‘, das sollte anstecken!

Ein kleines Zitat

„Unsere (i.e. Brot für die Welt) Projektpartner versuchen weiterhin zusammenzustehen – und das ist so unendlich schwer. Wenn sie das tun, das aushalten, wie könnten wir nicht unermüdlich weiterarbeiten und sie unterstützen? Wenn sie das Gemeinsame und den Zusammenhalt im Krieg versuchen zu bewahren und sich gemeinsam auf die eine Seite, die Seite des friedlichen Miteinanders, stellen, wie können wir es wagen, der Komplexität auszuweichen und eine Dualität zu beschwören, die es so nicht gibt?“

Kinder-Bilder, Kinder-Kunst …

Giorgia Valente und Veronica Neifakh schreiben auf Medialine über Bilder, die Kinder in diesen Tagen schaffen …

Inner-palästinensisch

Zwei kleine Bausteine zur Debatte innert der palästinensischen Gesellschaft(en):

Hierzulande: In der taz ein Kommentar von Rajaa Natour über alternative Narrative.

In Gaza: Salman al-Daja, ehemaliger Dekan der Fakultät für Scharia und Recht, verurteilt Hamas-Angriff auf Israel mit Fatwa (Beitrag ORF)

Eine Stimme aus Jordanien

A Horizon of Violence – so lautet der Titel eines längeres Essays von Ursula Lindsey (Amman), keine einfache Lektüre …

Er ist erschienen in einer Serie bei der Open Society Foundations.

Ursula Lindsey is a reporter, essayist and book reviewer who largely writes about North Africa and the Middle East, where she has lived for the last two decades. After living in Egypt and Morocco, she is now based in Amman, Jordan. She is a frequent contributor to The New York Review of Books and a co-host of the BULAQ podcast, which focuses on Arabic literature in translation.

Belongings

Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow

Mit einem Festvortrag von Ofer Ashkenazi wurde am 12. November 2024 im Paulinum der Universität Leipzig das Internationale Graduiertenkolleg »Belongings: Jewish Material Culture in Twentieth-Century Europe and Beyond« feierlich eröffnet. Das Kooperationsprojekt der Hebräischen Universität (West-)Jerusalem, der Universität Leipzig und des Dubnow-Instituts bietet ein vielseitiges Qualifizierungsprogramm für herausragende internationale Promovierende.

Das Internationale Graduiertenkolleg »Belongings« (IGK) beruht auf der Idee, daß jüdische Geschichte auf substanzielle und innovative Weise durch die Analyse ihrer Welt der Objekte rekonstruiert, erzählt und erinnert werden kann. Es vereint deutsche, israelische und andere internationale Forscherinnen und Forscher aus allen akademischen Karrierestufen. Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow hebt hervor: „Die Forschung zur Verwurzelung und zur Zugehörigkeit der jüdischen Kultur in und zu Europa hat nicht zuletzt vor dem Hintergrund neuer antisemitischer Tendenzen nicht nur in Deutschland ganz besondere Bedeutung. Ich freue mich sehr, daß das Graduiertenkolleg »Belongings« jetzt seine Arbeit aufnimmt. Nicht nur weil hier mit der Universität Leipzig, dem Dubnow-Institut und der Hebräischen Universität (West)Jerusalem drei starke Institutionen ihre Expertise bündeln, sondern weil die Forschung und die gewonnenen Erkenntnisse künftig zur gesellschaftlichen Verständigung beitragen werden. Ich wünsche allen Forscherinnen und Forschern gutes Gelingen bei ihren Projekten.“

Während der Eröffnung betonte Yfaat Weiss, Sprecherin des Kollegs und Direktorin des Leipziger Dubnow-Instituts: „Die politischen Umstände als äußerer Rahmen des Kollegs belasten uns sehr. Das Ausmaß der Verwerfungen stellt die Frage nach der Relevanz unseres Vorhabens. Ich persönlich halte aber gerade diese für den Grund und den Kern unserer Tätigkeit. Und hoffe sehr, daß es uns gelingt, die Kluft zwischen der Dringlichkeit der Gegenwart und dem langen Atem, den Wissenschaft und Forschung brauchen, überbrücken zu können und uns auf diesem Wege historischen Themen mit der notwendigen Aufmerksamkeit für Fragen unserer Zeit zu widmen.“ Zusätzlich zu ihr sprachen Eva Inés Obergfell, Rektorin der Universität Leipzig, Oron Shagrir, Vize-Präsident der Hebräischen Universität (West) Jerusalem sowie Benjamin Pollock, Sprecher des Kooperationspartners im IGK.

Fünf Forschungscluster des Kollegs ermöglichen die Erforschung jüdischer materieller Kulturen in Europa und den Gebieten jüdischer (erzwungener) Emigration vom 19. bis zum 21. Jahrhundert aus multidisziplinärer Perspektive. Zwei Kohorten internationaler junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen im Wechsel in Leipzig und Jerusalem und teilen ihre Ergebnisse mit der wis-senschaftlichen Gemeinschaft und der interessierten Öffentlichkeit. Zudem arbeiten sie eng mit Bibliotheken, Museen und Archiven zusammen, um Netzwerke in verschiedenen beruflichen Bereichen aufzubauen.

Das Kolleg wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Alfred Landecker Foundation.

Von links nach rechts: Eva Inés Obergfell, Oron Shagr-ir, Yfaat Weiss und Jörg Deventer (Stellvertreter der Direktorin am Dubnow-Institut) während der Eröffnungsfeier. Photo: Swen Reichhold (Quelle)

Abscheu und Scham

Der in Berlin lebende und aus Israel stammende Autor, Kurator und Aktivist, Mati Shemeolof schreibt in einem Beitrag für die Open-Source-Initiative der Berliner Zeitung, was der Krieg, die Kriege in Nahost mit ihm „hier“ machen …

No Other Land

„Passend“ zu den Nachrichten über eine anstehende mögliche Annektion des Besetzten Gebiete, kommt in die deutschen Kinos der auf der Berlinale 2024 prämierte Film No Other Land der Filmemacher Yuval Abraham und Basel Adra: Susanne Lenz schreibt zur Vorführung im Kino Babylon in der Berliner Zeitung: