Ein Bericht von Jan-Christoph Kitzler (ARD Tel Aviv) auf tagesschau.de –
‚eine laute Minderheit, um Anarchisten, die von ausländischen Nichtregierungsorganisationen unterstützt würden‘, so der israelsiche Ministerpräsident, einfache Antworten auf komplexe Situationen, das macht ja weltweit Schule ….
„Israels Armee ist auf ihre Reservisten angewiesen, und seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 hat sich gezeigt, wie wichtig sie sind. Frauen und Männer können in Israel nach Ihrem Militärdienst noch bis zum 40. Lebensjahr zum Reservedienst eingezogen werden, Offiziere auch darüber hinaus. Fast 300.000 Reservisten wurden nach dem 7. Oktober nach Angaben der Armee eingezogen, viele über Monate, auch mehrfach.
Doch inzwischen wird die Weigerung vieler Reservisten, in den Krieg zu ziehen, zum Problem. Die genauen Zahlen sind unter Verschluss – doch israelische Medien berichten über die größte Verweigerungswelle seit Jahrzehnten.
Von mehr als 100.000 Verweigerern ist die Rede. Überprüfen lässt sich das nicht. Was man weiß, ist, dass einige Soldaten Briefe veröffentlicht haben – darunter Reservisten der Luftwaffe, der Marine und von Spezialeinheiten der Aufklärung. … „
Cease-fire. Release the Hostages. Establish a Palestinian State. There Is No Other Way
Der Text diese Editorial erschien am 14. April 2025 in der hebräischen und in der englischen Ausgabe und ist online zugänglich. Wir stellen hier einige Passagen online und verweisen insbesondere auf den letzten Abschnitt!:
On Wednesday, the Israeli military bombed an apartment building in Gaza City’s Shujaiyeh neighborhood. The target of the strike was Haytham Sheikh Khalil, whom the Israel Defense Forces identified as the commander of Hamas‘ Shujaiyeh battalion.
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In the current war, the principle of proportionality has been cast aside. Killing dozens of civilians in order to assassinate a junior Hamas commander is not seen as unusual, even though it is very likely a war crime.
Additional values and principles were thrown away along with proportionality: purity of arms, compliance with international law, consideration of the suffering of innocent civilians and of what happens after the war is over.
Since Israel resumed fighting, more than 1,500 people have been killed in the Gaza Strip, including at least 500 children. The dead include 15 first responders whom IDF soldiers shot at close range and buried in a mass grave.
On Sunday morning, the IDF hit a building within the Al-Ahli Hospital complex in Gaza City, destroying the surgery building and the oxygen generation facility for the intensive care units.
All of this is happening alongside an explicit policy aimed at starving the residents of Gaza. For six weeks, the Strip has been completely closed to all food and aid deliveries.
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This brutal policy toward the civilian population has forever tarnished the reputation of Israel, and we will pay a heavy price for it – in overt and covert boycotts, economic damage and the erosion of international legitimacy and of the moral and humanitarian foundations of Israeli society.
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French President Emmanuel Macron stated the obvious last week: „The only path possible is a political one,“ and declared his support for the establishment of a Palestinian state. This statement was met with an embarrassing tantrum and obscenities on social media from Prime Minister Benjamin Netanyahu’s son Yair.
But Macron is right, and it is now that the truth must be told: The only way Israel can survive as a democracy and not as a pariah state is through an immediate cease-fire, hostage release agreement and diplomatic negotiations that will ultimately lead to the establishment of a Palestinian state. There is no other way.
The above article is Haaretz’s lead editorial, as published in the Hebrew and English newspapers in Israel.
Muriel Asseburg und Peter Lintl zu den Entwicklungen in Israel
Israels Regierung baut in rasantem Tempo die Gewaltenteilung ab und weitet ihre Kontrolle über den Staatsapparat aus. Die militärische Reaktion auf den Angriff der Hamas und anderer bewaffneter Gruppierungen am 7. Oktober 2023 scheint in eine dauerhafte Wiederbesetzung des Gazastreifens zu münden. Die »freiwillige« Auswanderung der palästinensischen Bevölkerung des Küstengebiets wird als Option der Konfliktlösung gesehen. Gleichzeitig treibt die Netanjahu-Regierung das Siedlungsprojekt im Westjordanland mit neuer Verve voran. In ihren Ansätzen – sei es in der Innenpolitik, gegenüber den Palästinenser:innen oder gegenüber den Nachbarstaaten – sieht sie sich durch die Trump-Administration ermutigt. Damit entfernt sich Israel weiter von einer liberalen Demokratie. Eine Regelung der Palästina-Frage wird so konterkariert, die Region destabilisiert. Deutsche Politik darf diese Entwicklungen nicht ignorieren.
Muriel Asseburg / Peter Lintl Israels radikale Regierung. Abbau der Gewaltenteilung, Übernahme des Staatsapparates und beschleunigte Annexion SWP-Aktuell 2025/A 16 (April 2025) – 8 Seiten
„Wie läßt sich heute einer jungen Generation von der Shoa erzählen? Der Franzose Michel Hazanavicius versucht es in seinem neuen Film »Das kostbarste aller Güter« mit einer mehrfachen Verfremdung: Er nutzt Animation, um keine realen Gräuel darstellen zu müssen, und er erzählt es in Form eines Märchens. Es war einmal … „
Moshe Zuckermann im Overton-Blog vom 1. März 2025 über die AfD und Kahanismus.
„Der Erfolg der AfD bei den diesjährigen Bundestagswahlen darf als Meilenstein der deutschen Nachkriegsgeschichte gewertet werden. Er ist mit einem israelischen Meilenstein vergleichbar.“
Der Dokumentarfilm «No Other Land» eines palästinensisch-israelischen Teams über die Räumung palästinensischer Dörfer im Westjordanland hat – nach Auszeichnungen auf der Berlinale 2024 und bei den European Film Awards – nun einen Oscar gewonnen. Die Regisseure Basel Adra und Yuval Abraham nutzten die Bühne in Los Angeles, um auf die Situation der palästinensischen Gemeinden unter israelischer Besatzung hinzuweisen.
Am 1. März 2025 verstarb Prof. Haim Goren. Der 1946 geborene Historiker war lange Zeit Professor am Tel Hai-College im äußersten Norden Israels und DER Experte für den deutschen, v.a. auch katholischen Beitrag zur Geschichte des Heiligen Landes ab dem 19. Jahrhundert. Mehrere seiner zahlreichen Werke wurden deshalb auch in die deutsche Sprache übersetzt, die er selbst so gut beherrschte, daß er auch Quellen in Sütterlin lesen und auswerten konnte – in Israel heute eine Seltenheit.
Für deutsche Leser:nnen sind dementsprechend auch die diesbezüglichen Werke besonders interessant: So behandelte er in „Zieht hin und erforscht das Land“ (Göttingen 2003) die deutsche Palästinaforschung im 19. Jahrhundert, in „Echt katholisch und gut deutsch“ (Göttingen 2009) das Engagement der deutschen Katholiken in Palästina vor dem 1. Weltkrieg – insbesondere das des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL).
In dem von ihm und Yossi Leshem herausgegebenen Band über Pater Ernst Schmitz (2020) stellte er den Naturforscher und längjährigen Leiter der DVHL-Einrichtungen vor, und der Sammelband „Deutschland und Deutsche in Jerusalem“ (2011) versammelte Aufsätze zu ganz unterschiedlichen Aspekten – vom Besuch Kaiser Wilhelms II. bis zu deutschen Krankenhäusern und Photographen in Jerusalem. Weitere Werke aus den letzten Jahren waren den historischen Friedhöfen der Templer im Nahen Osten (1869-1948) gewidmet, aber auch dem ‚Vater‘ der modernen Palästina-Wissenschaft Edward Robinson oder der Erforschung des Toten Meeres. Außerdem galt sein besonderes Interesse der Geschichte Galiläas – wohnte er doch seit Jahrzehnten in Rosh Pinna.
In zahlreichen Vorträgen und Exkursionen gab er sein Wissen weiter – selbst für den Tag vor seinem Tod war noch eine Führung in Tabgha geplant. Er wird fehlen.
Unter der Rubrik The Blog der Times of Israel (ToI) reflektiert Meredith Rothbart, (co-founder and CEO of Amal-Tikva, a Jerusalem-based organization creating the infrastructure needed for peacebuilding to become a professional field capable of achieving lasting, scalable social change within and across Israeli and Palestinian societies) über die Perspektiven der Friedensarbeit.