Antisemitismus begegnen: Leitfaden für Schulen

Open access | 30. Juli 2025

Mit ihrem Leitfaden „Eine sichere Schule für Jüdinnen und Juden“ wollen die Autoren Marc Grimm und Florian Beer Antisemitismus nicht nur theoretisch betrachten, sondern Lehrkräften und anderen Bildungsfachkräften für ihren Berufsalltag etwas Praktisches an die Hand geben: 35 Fragen und ihre Antworten geben Anstoß, darüber zu diskutieren, was in jeder einzelnen Schule gemacht werden kann – um aufzuklären, präventiv vorzusorgen und Themen aufzugreifen, die häufig unausgesprochen bleiben. Neben der überarbeiteten deutschen Fassung steht der Leitfaden nun auch auf Englisch, Spanisch und Arabisch kostenlos zum Download zur Verfügung.

Conversation with activists from Tel Aviv

Join the European Community of Friends of Standing Together for an Online Talk & Solidarity Event with activists from the Tel Aviv University Chapter of Standing Together

📅 Wednesday, 13 August 2025
🕕 6:00 – 7:30 PM (CEST)

👉register to join the zoom

 (Language: English, with automatic subtitles in German & French)

Across Gaza, Israel’s war of annihilation continues to claim thousands of innocent lives, and the hostages remain in captivity. In the midst of this relentless violence and grief, a joint Israeli-Palestinian movement is standing firm, refusing to surrender to despair.

As active supporters from afar – many with deep personal ties to the land and its people – the European Friends of Standing Together wish to honour the movement’s role as the foremost voice confronting a corrupt government determined to drag the country into a pointless and endless war, because seeing them take to the streets gives us hope as well. Together we say: This war must end. There is another way.

On 13 August, the European Friends of Standing Together – from Belgium, Berlin, France, Sweden, and beyond – invite you to an urgent online conversation with activists from the Tel Aviv University Chapter of Standing Together. Register here.

You will hear firsthand:

  • How students are resisting from within Israel
  • Stories of courageous co-resistance to the war of annihilation in Gaza
  • The role of European solidarity in building a future of equality and justice

There will also be space for your questions and reflections.

💜 Your participation matters. This is more than a talk – it is also a chance to act. Every donation to the “Fighting for Life” campaign made before 17 August will be doubled by supporters in Israel-Palestine and abroad. Your contribution will directly strengthen this growing movement.

Donate now – help Standing Together protect lives and build a future beyond war: https://omdi.me/tel-aviv-u-fights

Let’s stand together – across borders – for life, dignity, and justice.

In Solidarity,

European Friends of Standing Together

Zitate zur Zeit

Aus der SWP

Die Meldungen aus dem Nahen Osten überschlagen sich. Die SWP Expert:innen Drin. Muriel Asseburg und Dr. Peter Lintl ordnen die Lage in zahlreichen Medienbeiträgen ein:

🔹 Muriel Asseburg spricht sich im Deutschlandfunk Kultur dafür aus, die Anerkennung Palästinas nicht als blauäugig zu betrachten, sondern als Teil eines Maßnahmenpakets inklusive Reform der Autonomiebehörde und internationaler Sicherheitspräsenz & damit ein Schritt in Richtung Konfliktregelung.
🎧 https://lnkd.in/eDVPA4JC

🔹 Peter Lintl fordert im MDR aktuell-Interview einen Geiseldeal und mehr europäischen Druck auf Israels Regierung. Eine Ausweitung des Krieges gefährde die noch lebenden Geiseln und verschärfe die ohnehin katastrophale humanitäre Lage.
🎧 https://lnkd.in/esSx3F2p

🔹 Im rbb Inforadio analysiert Peter Lintl die fehlende Nachkriegsstrategie Israels und warnt vor der maßgeblich innenpolitisch motivierten Kriegsführung Netanjahus.
🎧 https://lnkd.in/eDdczhUS

🔹 In der Frankfurter Rundschau kritisiert Muriel Asseburg das Zögern Deutschlands und der EU. Menschenrechtsverletzungen haben bislang kaum Konsequenzen gehabt, konkrete Schritte europäischer Politik wie etwa eine Aussetzung von Teilen des Assoziierungsabkommens seien überfällig.
📰 https://lnkd.in/e8Qmt2sx

🔹 Im Interview mit Haaretz erklärt Muriel Asseburg, wie die deutsche Israel-Politik zwischen Kritik und Unterstützung schwankt und warum die Anerkennung Palästinas ein starkes Signal wäre.
📰 https://lnkd.in/ew2P7uZ5

🔹 Im Gespräch mit der DW erläutert Muriel Asseburg, warum Deutschland mit der Anerkennung Palästinas zögert und weshalb dieser Schritt dennoch überfällig ist.
🎧 https://lnkd.in/eEAA7rhb

Bundeskanzler Merz zur Entwicklung in Gaza

Pressemitteilung 8. August 2025

„Israel hat das Recht, sich gegen den Terror der Hamas zu verteidigen. Die Freilassung der Geiseln und zielstrebige Verhandlungen über einen Waffenstillstand haben für uns oberste Priorität. Die Entwaffnung der Hamas ist unerlässlich. Die Hamas darf in der Zukunft von Gaza keine Rolle spielen.

Die Bundesregierung bleibt zutiefst besorgt über das fortdauernde Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Mit der geplanten Offensive trägt die israelische Regierung noch stärker als bisher Verantwortung für deren Versorgung. Sie muss einen umfassenden Zugang für Hilfslieferungen ermöglichen, auch für UN-Organisationen und andere nicht-staatliche Institutionen. Israel muss nach den richtigen Schritten der letzten Tage die humanitäre Lage in Gaza weiter umfassend und nachhaltig verbessern.

Außerdem fordert die Bundesregierung die israelische Regierung dringend auf, keine weiteren Schritte hin zu einer Annexion des Westjordanlands zu unternehmen.“

Helden, Opfer – und kaum Kollaborateure

Ob in Belgien, Polen oder der Ukraine: Wenn es um die Rolle der eigenen Bevölkerung während der nationalsozialistischen Besatzung geht, sehen sich viele Menschen in Europa heute als Opfer – oder als Helden. Zu diesem Ergebnis kommt eine länderübergreifende Studie. An der der Studie zugrunde liegenden Online-Befragung beteiligten sich 5.474 Personen aus acht europäischen Ländern: Belgien, Frankreich, Litauen, Niederlande, Österreich, Polen, Ukraine und Ungarn.

Ob in Belgien, Polen oder der Ukraine: Wenn es um die Rolle der eigenen Bevölkerung während der nationalsozialistischen Besatzung geht, sehen sich viele Menschen in Europa heute als Opfer – oder als Helden. Zu diesem Ergebnis kommt eine länderübergreifende Studie unter Leitung von Drin. Fiona Kazarovytska von der Abteilung Sozial- und Rechtspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Die Ergebnisse veröffentlichte sie gemeinsam mit Prof. Dr. Roland Imhoff von der JGU und Prof. Dr. Gilad Hirschberger von der Reichman University in Israel im Fachjournal Political Psychology.

Im Rahmen der Studie führte das Team eine Online-Befragung mit 5.474 Personen aus acht europäischen Ländern durch: Belgien, Frankreich, Litauen, Niederlande, Österreich, Polen, Ukraine und Ungarn. Die Teilnehmenden wurden repräsentativ nach Alter und Geschlecht ausgewählt. Ziel war es herauszufinden, wie Menschen heute die Rolle ihrer eigenen Bevölkerung unter der NS-Besatzung erinnern. Dazu sollten sie auf einer Skala von 1 bis 7 angeben, wie sehr sie bestimmten Aussagen zustimmen – etwa „Die Menschen in meinem Land wurden verfolgt, weil sie Widerstand geleistet haben.“ oder „Die Bevölkerung hatte keine andere Wahl, als mit den Nazis zu kooperieren.“

Einheitliches Erinnerungsmuster über Ländergrenzen hinweg

„Trotz historischer Unterschiede zeigt sich in allen Ländern ein bemerkenswert ähnliches Bild“, erklärt Dr. Fiona Kazarovytska. „Die Menschen tendieren dazu, ihre eigene Bevölkerung als ‚Opfer-Helden‘ wahrzunehmen – also als solche, die unter den Nazis gelitten und zugleich mutig Widerstand geleistet haben.“ Auch die Vorstellung, daß man:frau aus Angst oder unter Zwang mit dem NS-Regime kollaborierte, ist weit verbreitet.

Dabei ist es historisch belegt, daß in vielen Ländern Regierungen oder Teile der Bevölkerung aktiv mit den deutschen Besatzern zusammenarbeiteten – sei es durch bürokratische Unterstützung bei Deportationen, durch eigene antisemitische Gesetzgebung oder durch direkte Beteiligung an Gewaltakten. Die bewußte, ideologisch motivierte Kollaboration sei jedoch in allen Ländern im Erinnern deutlich weniger präsent als Opferschaft und Heldentum.

Psychologische Schutzmechanismen beeinflussen Erinnerung

Die Studie ist die erste ihrer Art, die systematisch und empirisch untersucht, wie Bürgerinnen und Bürger in acht europäischen Ländern moralisch auf die Rolle ihrer eigenen Bevölkerung während der NS-Zeit zurückblicken. Damit rückt diese Studie die subjektive Wahrnehmung der breiten Bevölkerung in den Mittelpunkt. Der Fokus auf moralische Selbstverortung und nationale Identifikation erlaubt dabei neue Einblicke in die psychologischen Mechanismen kollektiver Erinnerung – jenseits offizieller Geschichtspolitik.

Ähnliche psychologische Muster wie die Tendenz zur moralischen Entlastung durch Betonung von Zwang oder Widerstand sind für die deutsche Bevölkerung durch frühere Studien gut belegt. Die neue Untersuchung zeigt nun, daß sich vergleichbare Formen kollektiver Selbstverklärung auch in anderen europäischen Gesellschaften finden, obwohl deren historische Rollen sehr unterschiedlich waren.

Selbstverklärung als Schutz der nationalen Identität

Daß viele Menschen die Rolle ihrer Vorfahren positiv darstellen, hat psychologische Gründe. „Das dient dem Schutz der eigenen nationalen Identität“, erklärt Kazarovytska. Wer sich mit der eigenen Geschichte konfrontiert sieht, stehe oft vor einer psychologischen Herausforderung. „Schuld oder Mitverantwortung anzuerkennen ist etwas, das schwer mit einem positiven Selbstbild vereinbar ist.“ Stattdessen griffen viele auf narrative Strategien zurück, die moralische Ambivalenz ausblenden und die Vergangenheit in ein günstigeres Licht rücken.

Die Ergebnisse der Studie werfen ein neues Licht auf nationale Erinnerungskulturen und ihre psychologischen Mechanismen. Sie zeigen, wie stark das Bedürfnis nach einer positiven kollektiven Identität die Wahrnehmung der Vergangenheit prägt – selbst dann, wenn sie von historischen Fakten abweicht.

Die Graphik zeigt, wie Menschen in acht Ländern die Rolle ihrer eigenen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg erinnern. Die meisten sehen ihre Landsleute als Opfer oder gezwungene Mitläufer. Freiwillige Kollaboration wird deutlich seltener wahrgenommen. (Abb./©: Fiona Kazarovytska)

Tom Segev zu Gast im ORF

Thema: Israels Premier Netanjahu will den Gazastreifen vollständig besetzen. Das Militär ist dagegen.

In memoriam Udo Steinbach 1943-2025

Deutscher Islamwissenschaftler und em. Professor, zahlreiche Veröffentlichungen. Er leitete von 1976 bis 2007 das Deutsche Orient-Institut.

Nachruf DAFG

Nachruf EMA

Würdigung durch C. Wiedemann auf ihrer Facebook-Präsenz

Was für ein ‚Engel der Geschichte‘ …

Germany’s angel of history is screaming

As Israel obliterates Gaza with Berlin’s backing, German public support is plummeting. Yet the government is crushing dissent and refusing to change course — all in the name of atoning for Germany’s own genocidal history.

Yalla

Redaktion: Dinah Ehrenfreund, Hanno Loewy
Übersetzungen: Kirsten Lehmann, Lilian Dombrowski
Gestaltung: Thomas Matt
Fotos: Dietmar Walser, Thomas Matt / ISBN 978-3-200-10568-3

Die Geschichte arabisch-jüdischer Lebenswelten reicht Jahr- hunderte zurück, bis in die präislamischen Stammesgesell-schaften Arabiens. Eine lange und widersprüchliche Beziehungsgeschichte – mal romantisiert, mal vergessen, verdrängt und dämonisiert – gibt es zu entdecken: jüdisches Leben unter islamischer Herrschaft über die heutigen arabischen Länder und die Iberische Halbinsel (al-Andalus), im Osmanischen Reich oder unter dem Einfluß europäischer Kolonialinteressen.

Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen lädt ein zur Erkundung unvertrauter, widersprüchlicher Identitäten. Und leistet einen bescheidenen Beitrag dazu, auf das Begehren nach Eindeutigkeit mit Ironie und Offenheit zu reagieren – sei es in den Auseinandersetzungen um Zugehörigkeit und Abgrenzung in Europa, sei es im Blick auf den scheinbar so unlösbaren Konflikt an der Schnittstelle zwischen Europa, Asien und Afrika, dessen tragische Radikalisierung der Gewalt und der gegenseitigen Auslöschungsfantasien uns jeden Tag mehr beunruhigt. (Hanno Loewy im Vorwort)

Einleitung: Hanno Loewy
Texte zur Ausstellung: Anika Reichwald
Mit Essays von:
Lital Levy „Arabische Juden im Maschrek. Zur Historisierung eines Konzepts“
Emily Benichou „Gottreich Arabische Juden im Maghreb. Zur Historisierung eines Konzepts“
Mati Shemoelof „Fragen (nach) einer arabisch-jüdischen Diaspora“

Online-Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems, 29. September 2024 bis 05. Oktober 2025. Dank großzügiger Förderung durch die Stiftung Irène Bollag-Herzheimer, Basel.