“The fact that churches have not sufficiently taken up this moral responsibility is a damning indictment. To brazenly prefer their comfort, interests, connections, and desire to avoid embarrassment is moral bankruptcy,” says Jonathan Kuttab.
„Wer kommt bei der Nahost-Berichterstattung zu Wort? Eine exklusive Auswertung von 5.000 Schlagzeilen deutscher Leitmedien zeigt: Israels Militär und Regierung dominieren. Unabhängige Quellen werden kaum genutzt.“
An ecumenical witness for equality and a just peace in Palestine/Israel A letter to our people and to our pastors – August 25, 2025
This is the moment to come together as Church in new ways. It is a time for increased solidarity and selfless mutual support. As individuals we might indeed lament and feel helpless, but as Church we do have within our DNA a way to overcome crises through our shared faith. Within the Christian community, all qualifications, occupations and social classes are represented: rich and poor, healthy and sick are living side by side. How can we put together our ideas, competences and resources?
Hunderttausende Demonstrantinnen und Demonstranten haben sich in Tel Aviv und Jersualem versammelt; es handelt sich um eine der grössten Demonstrationen in Israel seit dem Wiederaufflammen des Krieges im Oktober 2023.
Die Demonstranten forderten die Beendigung des Gaza-Kriegs und die sofortige Freilassung der Hamas-Geiseln. Zudem riefen sie die israelische Regierung dazu auf, ihre Entscheidung rückgängig zu machen, die Stadt Gaza und andere Gebiete im Gazastreifen einzunehmen. Sie blockierten zahlreiche Strassen im Land, darunter auch eine zentrale Schnellstrasse in der Küstenmetropole Tel Aviv.
Mehr als 30 Menschen wurden nach Angaben der Polizei festgenommen. In Jerusalem wurden Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt. Die Organisation der Geiselangehörigen hatte für Sonntag – den Beginn der israelischen Arbeitswoche – zu einem landesweiten Streik aufgerufen. Man werde «das Land zum Stillstand bringen», sagte Einav Zangauker am Samstagabend bei einer Kundgebung – ihr Sohn Matan ist eine von 20 lebenden Geiseln im Gazastreifen. Der mächtige Gewerkschafts-Dachverband Histadrut schloss sich dem Streik zwar nicht an, äusserte aber Verständnis für den Schritt.
Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich nannte die Protestaktionen in einem Post auf der Plattform X eine «schlechte und schädliche Kampagne, die der Hamas in die Hände spielt». Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte die Proteste.
Bei einer Demonstration in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv haben zahlreiche Menschen ihre Solidarität mit den Geiseln zum Ausdruck gebracht, die seit fast zwei Jahren von der Hamas im Gazastreifen festgehalten werden.
Der Gaza-Krieg vertieft die Kluft zwischen Politik und Gesellschaft – und spaltet gleichzeitig das Mitte-links-Lager.
Ein Beitrag von Matthew Duss, geschäftsführender Vizepräsident des Center for International Policy und Co-Moderator des Un-Diplomatic-Podcasts. Zuvor war er außenpolitischer Berater von US-Senator Bernie Sanders.
Rund 80 orthodoxe Rabbiner fordern ein Ende der Hungersnot in Gaza
Rund 80 orthodoxe Rabbiner aus verschiedenen Ländern fordern die israelische Regierung auf, der Hungersnot in Gaza ein Ende zu bereiten. Die Initiative für das Schreiben, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, ging demnach von US-Rabbi Yosef Blau aus. Er erklärte: „Wenn Religion dazu benutzt wird, die Verehrung von Macht zu rechtfertigen, verzerrt sie die grundlegende Moral.“ Unkritische Loyalität widerspreche dem Anspruch der Selbstreflexion, der grundlegend für das Judentum sei.
In dem Schreiben heißt es weiter, die Greueltaten der radikalislamischen Hamas entbünden Israel nicht von seiner Verantwortung für die humanitäre Krise im Gazastreifen. Daher müsse das Land eine massenhafte Hungersnot verhindern. Zu den Unterzeichnenden gehört auch der polnische Oberrabbiner Michael Schudrich, der betonte: „Ich liebe Israel – die Nation, das Land, die Menschen.“
Rückbesinnung auf die jüdische Hoffnung
Kritik gibt es auch daran, dass Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu keine Ideen für eine Zeit nach dem derzeitigen Krieg entwickelt habe. So entstehe ein Vakuum, das extremen Stimmen innerhalb der Regierung ermöglicht habe, „beunruhigende Vorschläge“ zu verbreiten. Zudem verurteilen die Rabbiner die eskalierende Gewalt durch extremistische Siedler im Westjordanland: Sie habe zum Mord an Zivilisten geführt und die Region weiter destabilisiert.
Dieser historische Moment erfordere, so das Schreiben weiter, „eine Stimme, die in unseren tiefsten jüdischen Werten verwurzelt ist und von unserer traumatischen Geschichte der Verfolgung geprägt ist“.
Die jüdische Hoffnung auf Gerechtigkeit und Mitgefühl erstrecke sich auf alle Menschen. Zu den Unterzeichnenden gehören auch der Dresdner Rabbiner Akiva Weingarten, der britische Rabbiner David Rosen, der norwegische Rabbiner Michael Melchior sowie der dänische Oberrabbiner Jair Melchior.
Die Macht des Wortes: die Wahrheit sagen, Gerechtigkeit einfordern
Liebe Freundinnen und Freunde,
aus unseren Terminologie-Workshops wissen wir, wie tiefgreifend unsere Wortwahl bei der Beschreibung von Konflikten Menschen beeinflusst. Ob wir etwas Genozid, ethnische Säuberung oder Kriegsverbrechen nennen, solche Bezeichnungen sind nicht nur semantisch – sie haben schwerwiegende politische und emotionale Bedeutungen auf der ganzen Welt. Wir wollten verstehen, warum das so wichtig ist. Und nun wissen wir, dass eine Situation zu bezeichnen einen Wunsch widerspiegelt: den Wunsch nach Anerkennung, nach Wandel, nach Verantwortlichkeit, nach internationaler Verantwortung. Menschen beschreiben mit Begriffen nicht nur, was geschieht, sondern sie pochen zugleich darauf, dass etwas geschehen muss – dass Gerechtigkeit geschaffen werden muss. Wir sehen, dass überall auf der Welt Menschen glauben, sich „für eine Seite entscheiden“ zu sollen – dass sie sich nur mit einer Seite solidarisieren und sich gegen die andere stellen sollen. Doch uns, deren Arbeit im jüdisch-palästinensischen Dialog verwurzelt ist, aus der wir Stärke gewinnen, ist klar, dass die Realität so zu sehen, wie sie ist – eben nicht bedeutet, einseitig Partei zu ergreifen. Rechenschaft für Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzufordern ist nicht Ausdruck einer Feindseligkeit gegenüber einem Volk – es ist ein Grundsatz, der die Menschenrechte und moralische Klarheit unterstützt. Beim Streben nach Gerechtigkeit geht es nicht um Spaltung; es geht um die Verteidigung universeller Werte und um die Anerkennung aller Menschen, die von Gewalt und Unterdrückung betroffen sind. Darin liegt für uns die ethische Verpflichtung beider Seiten: Leben zu retten, Gerechtigkeit zu schaffen und Heilung für die Opfer zu ermöglichen; und einen Pfad der Rechenschaftslegung und der Transformation für die Täter zu eröffnen – sodass alle in Würde und Hoffnung weitergehen können.
Die entsetzlichen Berichte aus Gaza zerreißen das Herz und sind unstrittig. Der Hunger und die Vernichtung – von Leben, Häusern und ganzen Gemeinschaften – müssen sofort aufhören. Die 1948 vertriebenen/geflüchteten Palästinenser werden vom Staat systematisch zum Schweigen gebracht und ein Klima geschaffen, das viele lähmt und ihnen die Sprache verschlägt; zugleich fühlen sie sich schuldig, während sie die Auslöschung und Zerstörung ihres Volkes und ihre eigene Ohnmacht erleben. Mittlerweile unterstützen jüdische Israelis entweder aktiv die fortdauernde Gewalt, oder ziehen Verleugnung oder Vermeidung vor, anstatt sich der Realität und ihrer Rolle darin zu stellen. In den vergangenen Wochen, im Angesicht des schrecklichen Hungers, sind wir Zeugen starken Widerstands aus beiden Gruppen geworden – und doch ist dies angesichts des Ausmaßes der Grausamkeiten traurigerweise nicht genug.
Wir rufen jeden Einzelnen von Euch auf: Tut alles, was Euch möglich ist, um diese Grausamkeiten zu beenden und Leben zu retten!
Wenn Ihr nicht wisst, wie, helfen wir Euch gern, darüber nachzudenken, wie Eure Resourcen – Eure Stimme, Eure Zeit, Eure Netzwerke, Eure Geldmittel – etwas bewirken können.
In diesem Brief findet Ihr eine Übersicht über unsere Aktivitäten auch unter diesen unerträglichen Bedingungen, aufrechterhalten durch die Hoffnung und die Überzeugung, dass ein anderer Weg sowohl möglich als auch notwendig ist.
Mit freundlichen Grüßen – Roi Silberberg, Direktor, School for Peace
Essen verbindet, eigentlich – und das Essen dort erst recht: Berliner Restaurant Kanaan steht vor dem Aus – „Die Menschen haben Angst“ – also um so mehr ein Grund, es zu besuchen!