Die Gewalt radikaler jüdischer Siedler:innen im besetzten Westjordanland gegen die palästinensische Bevölkerung hat seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sprunghaft zugenommen. Teile der rechten Regierung unterstützen diese Gewalt, bei denen mehrere Menschen getötet, zahlreiche Häuser in Brand gesteckt und Tausende zur Flucht gezwungen wurden. Ermutigt von der Tolerierung und teils Legitimierung durch die Regierung griffen Siedler letzte Woche Soldaten – und in der Nacht auf Montag sogar einen Militärstützpunkt – an.
Wie viel Frieden steckt in der Religion und im Glauben?
Ein Interview mit Pfarrer Dr. Andreas Goetze, Vorstandsmitglied des diAk, seines Zeichens Referent für den Interreligiösen Dialog mit dem Islam im Zentrum Oekumene von EKHN und EKKW über Hoffnung, Mißbrauch von Religion und Dialog im Nahostkonflikt.
Viele heilige Stätten im Nahen Osten sind für Judentum, Christentum und Islam von zentraler Bedeutung: Die Weihnachts-, Oster- und Pfingstgeschichte spielen in dieser Region, ebenso wie weitere christliche, viele islamische und jüdische Überlieferungen. Und doch: Statt Frieden erleben die Menschen dort immer wieder Gewalt. Auch nach dem jüngsten Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran bleibt die Lage angespannt.
Gründe für den Nahostkonflikt und Religion als Ideologie
Goetze betont: Der Ursprung des Israel-Palästina-Konflikts liegt nicht im Religiösen – sondern in Fragen von Land und Besitz. Er beobachtet, wie sich Religion in eine politische Ideologie verwandelt. Die größte Herausforderung liege in religiös aufgeladenen, exklusiven Nationalismen. Deshalb warnt er: „Religion wird dazu mißbraucht, eigene Land- und Besitzansprüche unter Ausschluß der jeweils anderen zu legitimieren. Dann geht es um absolute Wahrheiten ohne Kompromiß.“
Menschen miteinander ins Gespräch bringen – Schmerz teilen
Pfarrer Goetze fordert Gläubige auf, „gegen diesen Mißbrauch von Religion lautstark zu protestieren“, weil das den liebenden, gerechten und barmherzigen Gott bezeuge. Trotz aller Spannungen sieht Goetze Hoffnung. In Begegnungen von jüdischen und muslimischen Gläubigen habe er erlebt, wie Menschen einander zuhören, sich vom Schmerz des anderen berühren lassen. Deshalb empfiehlt Andreas Goetze: „Wir brauchen mehr Verständigungsorte. Räume, in denen wir lernen, den Schmerz des anderen wahrzunehmen.“
Wie sich der Krieg auf die Menschen im Nahen Osten auswirkt und welche religiösen Aspekte außerdem eine Rolle spielen, läßt sich im kompletten Interview nachlesen: evangelisch.de im Juni 2025
Deutschlandfunk Kultur – Wie Memes, Humor und KI im Krieg funktionieren
Im Nahen Osten verarbeiten die Menschen ihre Verzweiflung häufig mit Humor und Satire. Desinformation mit KI spielt auch eine immer größere Rolle. Mit den Journalisten Mohamed Amjahid und Franziska Klemenz geht es außerdem um queeres Reality-TV.
Wöchentlich Mahnwache – jeden Freitag, 17–18 Uhr, Blücherplatz 1 (vor der Amerika-Gedenkbibliothek, ZLB), 10961 Berlin. Für einen gerechten Frieden in Israel und Palästina – gegen das Aushungern, Töten und Vertreiben in Gaza und für die sofortige Rückkehr der Geiseln.
Am 8. Mai 2024 starb der jüdische Befreiungstheologe, am 29. Juni erinnern Freundinnen und Freunde an den inspirierenden und spannenden Denker! Zoom-Link
In a political climate increasingly marked by repression, securitization, and shrinking spaces for dissent, acts of solidarity—particularly those that confront state policy, unsettle dominant narratives, or emerge from transnational and intersectional struggles—are subject to intensified scrutiny and constraint. This roundtable brings together scholars and activists engaged in different fields of solidarity work to reflect on the contested nature of solidarity in contemporary Germany and to explore the challenges and possibilities of building cross-struggle alliances under these conditions.
The event will interrogate how solidarities that are marginalized, ignored, or repressed—whether due to their alignment with politically sensitive causes, their oppositional stance toward official policy, or their entanglement in competing claims to justice—can nonetheless become sites of political agency and coalition-building. A key aim is to identify both the structural impediments and the practical resources for developing solidarities that are intersectional, durable, and grounded in mutual recognition.
At the same time, the event opens a critical conversation on the role of academia in these dynamics. What does it mean for scholars to be in solidarity with proliferating struggles around them? How can academic engagement move beyond rhetorical expressions of support toward concrete practices of care, co-resistance, and institutional accountability?
Confirmed Speakers:
Simin Jawabreh (Activist and Political Scientist)
Ahmed Isamaldin (Artist and Researcher, Sudan Uprising)
Naika Foroutan (Director, DeZIM Institute)
Moderation: Myriam Ahmed (INTERACT / Freie Universität Berlin)
Students, researchers, and activists are invited to join for an open dialogue on the potentials and limits of solidarity work across political, disciplinary, and social boundaries.
“The myth of redemptive violence is the simplest, laziest, most exciting, uncomplicated, irrational, and primitive depiction of evil the world has ever known…
By making violence pleasurable, fascinating and entertaining, the Powers are able to delude people into compliance with a system that is cheating them of their very lives.”
Erklärung des Parents Circle-Israeli Palestinian Bereaved Families for Peace vom 17. Juni 2025
„In diesen dramatischen und schmerzhaften Tagen haben wir – die palästinensischen und israelischen Familien, die den höchsten Preis bezahlt haben – eine klare Botschaft: Wir weigern uns, ein Leben zu führen, das von Mord, Besatzung und Angst bestimmt ist. Krieg und Konflikt werden uns nicht definieren. Wir bestehen weiterhin darauf, daß die Zukunft nur durch geteilte Menschlichkeit, Würde und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für alle gestaltet werden kann.“