Denk ich an Deutschland…

Die deutsch-israelische Historikerin Tamar Amar-Dahl bespricht das 2023 im Westend-Verlag erschienene Buch „Denk ich an Deutschland… Ein Dialog in Israel“, der beiden Experten auf dem Gebiet des deutsch-israelischen Verhältnisses, Moshe Zuckermann und Moshe Zimmermann, im Online Fachjournal der Geschichtswissenschaft sehepunkte 24 (2024), Nr. 1 [15.01.2024].

Räume für den Dialog

Auf der Online-Plattform qantara.de reflektiert Jannis Julien Grimm, Leiter der Forschungsgruppe „Radical Spaces“ am Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung, sehr nachdenkenswert über die Herausforderungen der aktuellen Debatten.

„Diskussionen um den Nahost-Konflikt werden seit je her durch Lagerdenken erschwert. Insbesondere in Deutschland erweist es sich mitunter als ein heikler Balanceakt, Empathie für Opfer politischer Gewalt in Israel zu zeigen und gleichzeitig auf das Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland hinzuweisen, die bei weitem die Hauptlast aller Konfrontationen zwischen israelischen Truppen und palästinensischen Milizen tragen.“

Eine Stimme aus Israel gegen Haß und Rache

Die Schweizer Online-Zeitung Infosperber bringt aktuell ein Gespräch mit Ruchama Morten, seit Jahrzehnten aktiv in der Menschenrechts- und Versöhnungsarbeit, das erschreckend zeigt, wie wenig „leicht“ eine solche Arbeit war und ist …

Als das Monster freundlich war

Berlin Review“ orientiert sich an der „London Review of Books“ und der „New York Review of Books“. Die erste, ausschließlich online publizierte Ausgabe ist jetzt im Februar erschienen. Darin findet sich ein Beitrag von Adania Shibli, in dem es auch um die Verschiebung der LiBeraturpreis-Verleihung geht.

Geteilte Meinungen zur Lage in Israel und zum Krieg

Bei der letzten Umfrage des Israel Democracy Institute in (West-)Jerusalem Ende Januar 2024 unter der Bevölkerung in Israel wird die Unsicherheit und Unzufriedenheit mit der politischen Situation im Lande deutlich:

So schätzen mehr als die Hälfte der Befragten eine demokratische Regierungsführung in der Zukunft als pessimistisch ein; unter der arabischen Bevölkerung Israels sind es sogar mehr als drei Viertel. Ähnlich pessimistisch sieht die Bevölkerung die Sicherheitslage: mehr als die Hälfte sehen Israels Sicherheit in der Zukunft eher pessimistisch als optimistisch. Neuwahlen werden zwar vor dem regulären Termin 2026 mehrheitlich bevorzugt, aber hier ist die Stimmung uneinig, ob dies vor Ende des Krieges erfolgen sollte.

Weiteres zu den am 6. Februar 2024 veröffentlichten Umfrageergebnissen / PDF zum Download

Ungehorsam im Namen einer höheren Gerechtigkeit

„Nur ein radikaler Universalismus jenseits von Identität kann für Gerechtigkeit sorgen, auch im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Omri Boehm, Träger des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2024, begründet im Gespräch mit dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, warum.“

Waffenstillstand Jetzt!

In einem Land im Krieg erfordert es viel Mut, das Schweigen der Waffen zu fordern; die Logik von Gewalt führt immer nur zu mehr Gewalt – 37 Organisationen der israelischen Zivilgesellschaft haben diesen Aufruf unterzeichnet:

We, the undersigned Israel-based civil society and human rights organizations, call for an immediate ceasefire in the Gaza Strip and demand the immediate release of hostages held in the Gaza Strip. An immediate ceasefire will prevent further loss of civilian lives and facilitate access to vital aid for Gaza to address the unprecedented humanitarian catastrophe there.

In more than 120 days of war in Gaza, following Hamas’s egregious attack on October 7 which killed some 1,200 Israelis and internationals, we have witnessed Israeli bombardments and siege policy causing unfathomable death and destruction in the Gaza Strip.

According to the Palestinian Ministry of Health, some 27,000 people have been killed, over 66,000 people have been injured, and thousands more are still buried under the rubble. The healthcare system has been almost totally decimated by military assaults, electricity blackouts, the enormous number of medical staff killed or displaced, and shortages of medications and medical equipment. Only 14 out of 36 hospitals are partially operational and are on the verge of collapse due to extreme overload and lack of supplies. Food supply and clean drinking water are lacking throughout Gaza, with the entire population at imminent risk of famine and dehydration.

Some 1.7 million people – about 75% of the population – have been displaced. IDP shelters are overcrowded and lack basic conditions, with extreme shortages of food, water, and other necessities. Large areas in the Strip are no longer habitable. Thousands of homes have been heavily damaged or destroyed by Israeli bombardments, while critical civil infrastructure, public buildings, cultural institutions, places of worship, and heritage sites lie in ruins.

The shortage in supplies and the active hostilities prevent an effective humanitarian response. Some necessary humanitarian items and medical equipment are being blocked from entry by Israel. Heavy rains, cold weather, and extreme overcrowding in tent encampments and shelters, have significantly increased the incidence of illness and disease. The distribution of what little aid is entering is significantly hindered by the lack of safe access within the Strip. Nowhere in Gaza is safe for civilians.

We thus call on all parties to reach an immediate ceasefire and we call upon Israel to allow unfettered entry and delivery of humanitarian aid and goods into and throughout Gaza, as directed to do by the International Court of Justice. Hamas must unconditionally release all people taken hostage on October 7. We call on the international community to uphold its legal obligation to restore respect for international humanitarian law and protect civilians. The international community must ensure that all those responsible for grave violations of international humanitarian and human rights law be held accountable. These steps are vital for ensuring human rights and security for Israelis and Palestinians alike.

Akevot Institute for Israeli-Palestinian Conflict Research |
Amnesty International Israel |
The Association for Civil Rights Israel (ACRI) |
Bimkom – Planners for Planning Rights |
Breaking the Silence |
B’Tselem – The Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories |
Combatants for Peace |
Emek Shaveh |
Gisha – Legal Center for Freedom of Movement |
Green Olive Collective |
HaMoked: Center for the Defence of the Individual |
Haqel –  In Defense of Human Rights |
Ir Amim |
Isha L’isha Haifa Feminist Center |
Israeli Palestinain Bereved Families for Peace |
Jordan Valley Activists |
Looking the Occupation in the Eye |
Machsom Watch |
Mothers Against Violence Israel |
Negev Coexistence Forum for Civil Equality |
New Profile – The Movement to Demilitarize Israeli Society |
Parents Against Child Detention |
Peace Now |
Physicians for Human Rights Israel |
Policy Working Group |
PsychoActive – Mental Health Professionals for Human Rights |
Rabbis for Human Rights |
The School for Peace |
Social Workers for Peace and Welfare |
Solidarity of Nations – Achvat Amim |
Standing Together |
This Is Not An Ulpan |
Torat Tzedek |
Yesh Din |
Yesh Gvul |
Your Neighbor As Yourself |
Zazim – Community Action |

Der Tag danach .. kommt

Auch wenn es aktuell schwerfällt, sich vorzustellen, daß dieser Krieg ein Ende finden wird (kann/muß …), ist es von großer Wichtigkeit, darüber nachzudenken, was am Tag danach kommt:

What is a Revitalized Palestinian Authority? – Policy Paper von Yohanan Tzoreff / MITVIM

Muriel Asseburg (SWP) in einem SWP-Comment zur Zukunft Gazas. Das Papier zeigt die Herausforderungen für eine nachhaltige Stabilisierung des Gazastreifens in den Bereichen Regierungsführung, Sicherheit, Wiederaufbau und politischer Rahmen auf und erläutert, was die EU und ihre Mitgliedsstaaten tun könnten.

Wenig Wissen, viele Unterstellungen

In den Evangelischen Kommentaren zu Religion und Gesellschaft Zeitzeichen setzen sich aktuell Katja Dorothea Buck und Jens Nieper mit der deutsche Debatte über Nahost nach dem 7. Oktober 2023 auseinander.

Mit Blick auf den 1. März 2023, den von den Palästinenserinnen gestalteten, Weltgebetstag der Frauen eine lohnende Lektüre – und ein wichtiges Korrektiv zur Haltung des Deutschen Weltgebetstagskomitees und seinen Eingriffen in die Stimme der christlichen Geschwister im „Heiligen Land“.


Lesehinweis, der zumindest die aktuellen Beiträge dokumentiert und verlinkt:

https://www.jerusalemsverein.de/weltgebetstag-2024-palaestina/

Quo vadis UNRWA?

Hilfe an das Flüchtlingshilfswerk UNRWA einstellen – und dann?

Ein Großteil der politischen Klasse Israels lehnt die UNRWA gerade wegen ihres symbolischen Wertes für die Palästinenser ab. Sie argumentieren, daß jede Einrichtung, die sich für die Wahrung des Rückkehrrechts der Palästinenser einsetzt, die Existenz und Legitimität des israelischen Staates unmittelbar bedrohe.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu wiederholte am 31. Januar 2024 seine langjährige Forderung an die VN, die UNRWA zu schließen; am 7. Februar behauptete er, deren „Ersatz“ angeordnet zu haben.

Dabei stößt er jedoch auf Widerstand innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats, der anerkennt, dass die Dienste des Hilfswerkes eine unverzichtbare Quelle der Stabilität in den palästinensischen Gebieten und in den Nachbarstaaten sind. Sollte die UNRWA zusammenbrechen, würde die Verantwortung für die von ihr erbrachten Leistungen direkt auf die Schultern Israels als Besatzungsmacht im Gazastreifen und im Westjordanland sowie auf die Regierungen des Libanons, Jordaniens und Syriens innerhalb ihrer Zuständigkeitsbereiche fallen – mit dem Risiko enormer Rückschläge für die lokale Bevölkerung.

International Crisis Group | Q&A | 7. Februar 2024

Why Donors Should Not Suspend Aid to UNRWA