Frieden – jenseits des Jordan

Während 2020 als ‚Jahr des Friedens‘ mit dem Golf in Erinnerung bleiben wird, sollte nicht vergessen werden, daß dieser Frieden Gaza und das Westjordanland noch nicht erreicht hat.
Parallel zu den Friedensverträgen am Golf verloren in diesem Jahr annähernd 900 Palästinenser*innen im Rahmen von Zerstörungen durch das israelische Militär ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage. 

Hierzu das Statement von OCHA, vertreten durch Yvonne Helle.

Zu Ehren Paul Celans

Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier hat am 2. November – soweit es die Corona-Bedingungen zuließen – einen Dichter deutscher Zunge geehrt, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre und vor 50 Jahren in Paris den Tod fand: Paul Celan. Seine Gedichte, seine Texte stehen wir wenige andere für die Brüche und Wege deutscher Idenität im 20. Jahrhundert. Die Rede des deutschen Staatsoberhauptes läßt sich sich hier nachlesen und herunterladen.

Cornelia Geißler in der Berliner Zeitung ist zuzustimmen, daß es schön wäre und wichtig, nicht nur diese Rede, sondern die ganze Veranstaltung online zugänglich zu machen … das Bundespräsidialamt hat ja noch Zeit, vielleicht bis zum 23. November, seinem Geburtstag!

Neues aus Israel

Ob zu ThyssenKrupp und der U-Boot-Bestechungs“angelegenheit“, zur Situation während des zweiten „Lockdowns“ in Israel oder zur Frage der Beteiligung israelischer Palästinenserinnen und Palästinenser an den Protesten gegen Ministerpräsidenten Netanjahu –  soziale Zustände analytisch hinterfragend, politisch kritisch und gesellschaftlich breit aufgestellt und treffend wie bisher, so ist auch der aktuelle Newsletter des Tel Aviver Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung wieder mehr als lesenswert.

Damit wird auch der neue Leiter des Büros, Markus Bickel eingeführt und vorgestellt:

„Tsafrirs Schreibtisch am Rothschild-Boulevard in Tel Aviv übernimmt mit dieser Ausgabe des Newsletters Markus Bickel. Der Nahe Osten ist mir seit Jahrzehnten vertraut: Als Kind einer Krankenschwester und eines Entwicklungshelfers lebte ich in den 1980er Jahren in Saudi-Arabien, als Journalist zog ich in den 2000er Jahren in den Libanon, von wo ich für Spiegel Online und die Berliner Zeitung unter anderem über den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah 2006 berichtete. Und als Nahostkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Sitz in Kairo erlebte ich nach 2011 vor Ort mit, wie die arabischen Regime die revolutionären Aufstandsbewegungen sukzessive niederschlugen – in Ägypten und Syrien ebenso wie in Libyen und dem Jemen. Bevor ich im September für die Rosa-Luxemburg-Stiftung nach Tel Aviv zog, arbeitete ich in Berlin als Chefredakteur des Amnesty Journals, der Zeitschrift für Menschenrechte. Diese zu verteidigen, für gerechtere Verhältnisse, gleiche Aufstiegschancen für alle und Frieden zu streiten, wird auch in Israel Richtschnur meines Handelns bleiben – ich freue mich darauf!“

Zum Schluß sei noch auf die neue Papierpublikation der Stiftung hingewiesen, „Israel – ein Blick von innen heraus“, Band drei, die bei der rls bestellt werden kann.

Auslandskorrespondenten treffen Wissenschaftler

GIGA NDR Reihe „Grenzgänger“ | 16.11.2020 – 18.00 Uhr

Aufstand gegen die Machthaber – Umbruch im Nahen Osten

Referent*innen: Natalie Amiri, ARD Iran-Expertin / Björn Blaschke, Leiter des ARD-Hörfunk-Studios in Kairo / Dr. André Bank, Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien / Moderation: Julia-Niharika Sen, Moderatorin des NDR Auslandsmagazins „Weltbilder“

Die Veranstaltung findet ausschließlich online statt, es ist nötig, sich anzumelden. Die Anmeldung ist kostenlos. Nach der Registrierung erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail.

Die Menschen im Nahen Osten demonstrieren seit Monaten. Ihre Wut richtet sich gegen ihre Regierungen, die häufig brutal auf diese Proteste reagieren. So unterschiedlich die Länder der Region, so unterschiedlich sind die Anliegen der Bevölkerung. Im Libanon und Irak soll das Ende von Misswirtschaft und Korruption herbeigeführt werden. Angefochten werden die Profiteure des festgeschriebenen konfessionellen Systems und die Privilegien alter Eliten. Wohin dieses System führt, hat auch die Explosion im Hafen von Beirut im August gezeigt. Im Iran traut sich trotz massiver Einschüchterungsversuche nun auch die Mittelschicht auf die Straße. In Jordanien sind Preiserhöhungen und Lehrerstreiks der Auslöser der Demonstrationen. In Syrien setzt man sich gegen die Diktatur zur Wehr und es herrscht Hunger. Die Sorge ums Überleben steht im Vordergrund.

Erleben wir einen historischen Umbruch? Wie steht es um die Rechte der Menschen? Welche Rolle spielen externe Einflüsse, wie die Nahost-Politik von US-Präsident Donald Trump, sowie die Interessen der verschiedenen Akteure vor Ort?

Diese und weitere Themen diskutieren Natalie Amiri (ARD Iran-Expertin), Björn Blaschke (Leiter des ARD-Hörfunk-Studios in Kairo) und Dr. André Bank (Senior Research Fellow und Nahostexperte am GIGA). Durch die Veranstaltung führt Julia-Niharika Sen (Moderatorin des NDR Auslandsmagazins „Weltbilder“).

In der gemeinsamen Veranstaltungsreihe des NDR und des GIGA „Grenzgänger – Auslandskorrespondenten treffen Wissenschaftler“ diskutieren ForscherInnen und JournalistInnen über aktuelle Entwicklungen rund um die Welt, die immer auch Deutschland und Hamburg betreffen.

Die Veranstaltung wird ausschließlich online übertragen. Wenn Sie sich anmelden, erhalten Sie vor Beginn der Online-Veranstaltung weitere Informationen per E-Mail.

Eine Zusammenfassung der Veranstaltung finden Sie in der NDR Mediathek und NDR Info „Das Forum“.

… ist a Mitzveh…

The Olive Harvest in Yiddish der Rabbiner für Menschenrechte

Welche Optionen bleiben?

The Abraham Accords and the Palestinian Issue

Die online Plattform E-International Relations bringt aktuell eine Analyse von Dr. Massimiliano Fiore, seines Zeichens Assistant Professor, Homeland Security Program der Rabdan Academy in Abu Dhabi, die die Möglichkeiten abschreitet, die der palästinensischen Seite noch bleiben, nachdem sie sich solange auf die Arabische Friedensinitiative gestützt hat.

A new chapter in the history of the Middle East has begun with the signing of the Abraham Accords. These agreements between Israel, Bahrain and the United Arab Emirates reflect a strategic realignment against the two non-Arab powers, Iran and Turkey, threatening their interests in the region. The uprisings and civil wars of 2011 heightened the decades-old divisions between the competing sides in the Middle East and gave rise to a more genuinely regional geopolitical order, defined by mutually hostile nationalisms and sectarian identities.

Frieden mit Hintertür

Wiewohl die Menge an Friedensabkommen Israels mit der arabischen Welt in diesem Jahr bereits als historisch zu betrachten ist, wird ein Detail wesentlich mehr Folgen und Einfluß haben als jede diplomatische Annäherung: Die Flutung des Nahen Ostens mit modernsten Waffensystemen als Belohnung für friedliche Absichten. Dieser bodenlose Zynismus erweitert im Geiste des Friedens ein Waffenarsenal, von dem noch abzuwarten bleibt, welchem Nutzen dies irgendwann zugeführt wird. Lesenswert dazu, was Jochen Stahnke für die FAZ aus Tel Aviv schreibt: Droht ein neues Wettrüsten im Nahen Osten? 

Entschleunigend und fast ein wenig puritanisch

Marian Brehmer über einen Sufi-Musiker mit einer Mission

Den Atem des Ney-Spielers bewahren – so ist der lesenswerte Beitrag auf der Onlineplattform Quantara überschrieben. La Mélancolie Royale ist eine einstündige Sufi-Meditation auf der Rohrflöte des großen türkischen Virtuosen Kudsi Ergüner – der auch auf Youtube zu hören ist als ein Mitschnitt eines Konzertes an der Franz Liszt Hochschule in Weimar – eine gute Gelegenheit an diesem heutigen Sonntag zwischen Reformationstag und Allerheiligen ….

Nahost & Nordafrika Update

Neues Dossier der Heinrich Böll Stiftung | Okober 2020

„No Women – No Peace“. Mit diesem Dossier würdigt die Heinrich-Böll-Stiftung den 20. Jahrestag der VN-Resolution 1325. Hier finden Sie Interviews und Porträts über starke Frauen, auch aus unserer Region, wie z.B. Nivin Al Hotary und Sabah Al Hallak aus Syrien, Hanan Ashrawi aus Palästina, Mozn Hassan aus Ägypten und Netta Loevy aus Israel.